Meditation

Aus Familienwortschatz

Als Meditation kann man alle Zustände, bzw. auf diese Zustände hinstrebende Techniken bezeichnen, bei denen die Aufmerksamkeit des Menschen oder andere positive Geistesfaktoren kultiviert werden, um sich aus üblichen begrenzenden Denkmustern zu befreien und damit zu der Erfahrung eines Urgrunds des Seins vorzustoßen. Meist werden introspektive Methoden genutzt, wie etwa die Beobachtung des eigenen Atems, Visualisierung, das monotone Wiederholen eines Wortes (Mantras), ggf. auf einen Bewegungsablauf oder die Konzentration auf ein äußeres Hilfsmittel, wie etwa die Flamme einer Kerze, fließendes Wasser, den Sonnenaufgang oder dafür vorgesehene Bilder (Mandalas) und Gegenstände.

Im Gegensatz zum Gebet oder der Kontemplation werden in der Meditation Worte nicht als Sinnträger benutz, da die konzeptionelle Ebene von Worten überschritten werden soll. Deswegen lässt man alle Gedanken, aber auch alle Gefühle und Körpereindrücke vorbeiziehen, ohne dass man sich mit ihnen weiter beschäftigen würde, die (möglichst) ungeteilte Aufmerksamkeit konzentriert sich auf das festgelegte Meditationsobjekt. Der Meditation förderlich ist innere und äußere Ruhe, der feste Entschluss von der Meditationstechnik nicht abzuweichen und genügend Energie und Disziplin daran festzuhalten. Paradoxer Weise ist ebenso wichtig, sich dem Meditationsprozess ganz hinzugeben ohne etwas steuern und kontrollieren zu wollen. Es muss also von Augenblick zu Augenblick zu einem Ausgleich kommen zwischen:


einerseits vertrauensvoller Hingabe und Akzeptanz der gegenwärtigen Situation

und andererseits der unermüdlichen Bemühung, jedes Mal nachdem wir uns von unseren Gedanken haben mitnehmen lassen, wieder zur Meditationsanweisung zurückzukehren - ohne uns darüber zu ärgern, ohne uns dafür zu verurteilen.

Es kann auch geschehen, dass die Meditation in ein stabiles Stadium eintritt, was in einigen Fällen nach einigen Minuten, in andern nach Monaten intensiver Meditation geschehen kann. Das hängt von der Disposition des Meditierenden, aber auch von der gewählten Meditationsart, gegebenenfalls auch von der Führung des Meditationslehrers ab.


Beim Meditieren kommt man schnell in Kontakt mit verdrängtem persönlichem Material, dem man unbewusst durch verschiedene Vermeidungsstrategien aus dem Weg gehen will, wie beispielsweise durch Unruhe oder Schläfrigkeit. Auch wenn die in Meditation verbrachte Zeit nicht immer angenehm sein muss, führt sie durch Desindentifizierung mit den Denkprozessen zu einem objektiveren Selbstverständnis, durch die Fähigkeit in sich selber eine Stütze zu sein zu größerer Selbständigkeit und durch den Kontakt mit tieferen Schichten der Persönlichkeitsstruktur und dem Dasein als solchem zu einem erfüllterem Leben.