Schizophrenie: Unterschied zwischen den Versionen

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Aktuelle Version vom 30. Januar 2014, 19:55 Uhr

Schizophrenie (Form der Psychose) (ca. 1 % der Bevölkerung) kann als Spaltung der Persönlichkeit umschrieben werden. Dies bedeutet nicht, dass der Betroffene zwei (oder mehr) unabhängige Persönlichkeitsstrukturen aufweist, zwischen denen er hin- und herschaltet (multiple Persönlichkeit), sondern der Betroffene erlebt eher sein Fühlen, Denken und Handeln als völlig abgegrenzt vom Zustand vor der Erkrankung bzw. sogar als "fremd- oder ferngesteuert".

Leitsymptom bei der Schizophrenie ist der Wahn bzw. Realitätsverlust (s. u.).

Unterformen der Schizophrenie

  • Katatonie: Motorische Symptome:
    • Frühes Auftreten mit ca. 25 - 30 Jahren.
    • Es treten Halluzinationen auf.
    • Psychomotorische Symptome: z. B. Stupor, Rigidität
    • Tendenz zu akuten Schüben, die sich anfangs völlig zurückbilden.
  • Hebephrenie:
    • Unberechenbares, läppisches Verhalten.
    • Beginn oft ums 20. Lebensjahr.
    • Typische Kennzeichen: Leistungsabfall, sozialer Rückzug, Antriebslosigkeit.
    • Betroffene bilden sich häufig Krankheiten ein.
    • Schwer therapierbar.
    • Häufig ungünstiger Verlauf.
  • Paranoid:
    • Verfolgungswahn, Misstrauen, Wahnideen und Halluzinationen bei gut erhaltener Persönlichkeit,
    • Beginn oft erst mit 35 - 40 Jahren, evtl. auch erst im Alter.
    • Ist die häufigste Form der Schizophrenie
  • Schizophrenia simplex:
    • Einfache Form, nur Primärsymptome.
    • Auftreten im erwachsenen Alter.
    • Keine Halluzinationen oder paranoide Symptome.
    • Schleichender Verlauf.
    • Vor allem soziales Versagen,
    • Knick in der Lebenslinie.
    • therapeutisch kaum beeinflussbar
    • hohe Suizidrate.

Aufteilung ist heute nach ICD-10 vorzunehmen. [1]

Ursachen

Biologische Ursachen

a. biologische Faktoren

zunächst vermuteten die Forscher Rüdin oder Manfred Beuler, dass die Ursache der Schizophrenie auf einen rein genetischen Defekt begründet ist. Dies konnte relativiert werden. Mittlerweile weiß man, dass auch andere Faktoren ausschlaggebend sind. Je näher man mit einem Schizophrenen verwandt ist, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit der Selbsterkrankung. Bei einem schizophrenen Elternteil liegt sie bei 5 – 10% bei erkrankten Geschwistern 8 - 10%. Bei eineiigen Zwillingen bei 45%, zweieiigen bei 21%. Wäre die Erkrankung ein rein genetischer Defekt, müsste sie bei eineiigen Zwillingen bei 100% liegen. Etwa 50% der Kinder schizophrener Eltern zeigen psychische Auffälligkeiten; tatsächlich erkranken 12%.


b. Anatomische und physiologische Ursachen

1. Frühkindlicher Hirnschaden:

z. B. bei Geburtskomplikationen. Inzwischen wird angenommen, dass es bereits Schädigungen während des 1. Trimenon gab, auf die eine Erkrankung zurückzuführen ist. Die Behandlungsprognose ist hierbei sehr schlecht.

2. Frühkindliche Infektionen:

Hauptsächlich beobachtet bei Kindern, die in Großstädten leben und in den ersten drei Monaten des Jahres geboren wurden. Unter Verdacht stehen folgende Mikroorganismen, die das Ausbrechen der Erkrankung begünstigen: Viren:

  • Herpes simplex Typ 2,
  • Influenza und Bornaviren,
  • Protozoen, z. B.:
    • Toxoplasma gondii und
    • bestimmte Borellien.

Diese sind durch Antikörper im Serum festzustellen. Diese Untersuchung ist jedoch umstritten.


c. Biochemische Ursachen

Das Gehirn besteht aus Milliarden von Nervenzellen, die durch komplizierte Stoffwechselprozesse in Verbindung stehen. An diesen Stoffwechselprozessen sind chemische Substanzen (Botenstoffe) beteiligt. Bei einem Ungleichgewicht dieser Botenstoffe kommt es zu Störungen in der Informationsverarbeitung. Kommen noch andere Faktoren hinzu, so treten die Symptome der Schizophrenie auf. Eine der wichtigsten chemischen Substanzen in Zusammenhang mit der schizophrenen Erkrankung ist das Dopamin oder auch das Glutamat.

Psychosoziale Ursachen:

Hiermit sind Stresssituationen gemeint, die zum Auslöser der Schizophrenie werden können. Der Kranke hat nicht gelernt mit Stresssituationen wie Arbeitsstress oder Familienproblemen umzugehen. Es besteht ein zeitlicher Zusammenhang zwischen situativen Belastungen und dem Ausbruch der Erkrankung. So tritt Schizophrenie häufig in Lebenssituationen auf, die durch Umbrüche gekennzeichnet sind, etwa während der Pubertät oder beim Einstieg in das Berufsleben.

Ich-Entwicklungsdefizite oder gravierende Vernachlässigung in den ersten Lebensjahren können Faktoren sein, die zu einer größeren Vulnerabilität, also Krankheitsanfälligkeit führen.

Jeder Mensch hat ein eigenes Stressbewältigungspotential. Das Niveau, ab dem die eigenen Bewältigungsstrategien (Copings) nicht mehr greifen, liegt bei Menschen mit einer erhöhten Vulnerabilität niedriger. Deshalb zielen auch die sozial ausgerichteten Behandlungsansätze der Schizophrenie darauf, die Belastbarkeit der Erkrankten zu erhöhen. Manche Menschen erben eine besondere Anfälligkeit für diese Krankheit.

Toxische Ursachen:

Aus mehreren Studien geht hervor, dass der Missbrauch von Cannabis den Ausbruch psychotischer Symptome / Paranoia fördert, diesen Ausbruch auch hervorrufen kann, vermehrt in jüngerem Alter, jedoch aber nicht eine Hauptursache für die Krankheit selbst ist. Nach dem ICD-10 werden drogeninduzierte Psychosen mit den Kürzeln F 10.5 - F 19.5 codiert.

Prof. Heinz Häfner, der Leiter der Arbeitsgruppe Schizophrenieforschung, der die in der Fachzeitschrift «Nervenheilkunde» (Nr. 4/2002) erschienene Studie erstellt hat: Sei die Krankheit erst ausgebrochen, habe der Cannabis-Konsum weitere negative Folgen: «Wahnvorstellungen, Halluzinationen und Denkstörungen werden signifikant verstärkt», sagte Häfner, «Gleichgültigkeit und Abstumpfung, worunter manche Patienten ausgesprochen leiden, werden hingegen vermindert». Das bringe manche Kranke in die Versuchung, mit Cannabis eine Selbsttherapie zu betreiben - mit oft negativen Folgen: Längerer Cannabismissbrauch führe zu schlechterer Therapierbarkeit, so Häfner.

Verschiedene Wissenschaftler vermuten, dass sich ein hoher Prozentsatz an Cannabiskonsumenten unter Schizophreniepatienten damit erklären lässt, dass Cannabis bestimmte Symptome davon lindern kann. Der Cannabiswirkstoff THC dämpft die Wirkung eines überaktiven Dopaminsystems im Gehirn, das als eine Ursache von Schizophrenie gilt. Daraus zu schließen, dass Cannabis Schizophrenie verursache, ist so, als würde man aus der Beobachtung, dass Leute die Hustensaft trinken auch einen Husten haben, schließen dass Hustensaft Husten verursacht. [2]

Verlauf

Die Schizophrenie tritt häufig im Alter zwischen 18 und 35 Jahren auf. Frauen erkranken meist ein paar Jahre später als Männer. Zum Verlauf: Schizophrenie kann sich schleichend entwickeln oder aber auch akut ausbrechen, teilt sich jedoch immer in 2 Phasen auf.


1. Phase: Prodromalphase (Vorstadium)

Das Vorstadium macht sich meist durch besondere emotionale Empfindlichkeit, Angespanntheit, Interessenverlust, Wahnvorstellungen und Entfremdungserlebnissen der Betroffenen bemerkbar.


2. Phase: akutes/aktives Stadium

Nach der Prodromalphase kommt es zu akuten Schüben. Diese bezeichnet man als Erkrankungsphasen mit plötzlichem Beginn und ausgeprägten Symptomen, bei denen meist Wahn und Halluzination, Unruhe und Erregung sowie nicht verständliche Verhaltensweisen im Vordergrund stehen.

In der Regel sind die Phasen von unterschiedlicher Dauer und Intensität, wobei die Betroffenen durchaus in einer Phase verbleiben können. Circa 40% werden völlig geheilt, 40% behalten eine geringe Restsymptomatik und circa 20% fallen in einen schweren chronischen Verlauf. Die Rückfallgarantie beträgt etwa 85%, wenn die Betroffenen keine Medikamente nehmen. Dagegen erleiden nur 15% einen Rückfall, die Medikamente kontinuierlich genommen haben. [3]

Symptome

Die Symptomatik bzw. das klinische Bild der Schizophrenie kann von Patient zu Patient sehr verschieden sein. Es treten nicht alle Krankheitssymptome auf einmal auf, ebenso kann die Symptomatik von leicht bis schwer variieren. Ebenso treten die Symptome nicht gleichzeitig und zusammen auf, oder sie lassen sich auf ein anders Krankheitsbild deuten, sodass eine eindeutige Diagnose nicht immer möglich ist. Bei der Klassifizierung bzw. der Einteilung der Symptome gibt es mehrere Möglichkeiten. Kurt Schneider unterschied bei der Schizophrenie zwischen Symptomen ersten und zweiten Ranges. Diese Unterscheidung wurde von der WHO und in ähnlicher Form in den ICD 10 übernommen. Die Symptome ersten Ranges sind für Schneider von besonderer Bedeutung, also die Leitsymptome, für die Diagnose der Schizophrenie. Aber Schizophrenie kann auch vorhanden sein, wenn keines der Symptome ersten Ranges erkennbar ist. In den Symptomen zweiten Ranges sind alle anderen Erscheinungen zusammengefasst, die bei Schizophrenie vorkommen können. Ihr Gewicht für die Diagnose ist somit geringer.

Symptome ersten Ranges:

  • Gedanken-Lautwerden (man glaubt die eigenen Gedanken zu hören),
  • dialogische Stimmen(akustische Halluzination Freunde oder Bekannte sprechen mit einem),
  • kommentierende Stimmen (die z.B. aus einem Körperteil kommen können, beschreiben alle Handlungen des Patienten ),
  • leibliche Beeinflussungserlebnisse (Leibhalluzinationen oder leibliche Wahrnehmungsstörungen, werden auch "Zoenästhesien" bezeichnet, sind eigenartige Leibgefühle, die als körpereigene Störungen oder als "von außen gemacht" empfunden werden),
  • Gedankenentzug (Außenstehende könnten die Gedanken lesen, beeinflussen oder sogar „wegnehmen“),
  • Gedankenausbreitung (andere können die eigenen Gedanken hören),
  • Wahnwahrnehmungen (ist eine falsche Bedeutungszuordnung von Vorgängen in der Umgebung, wobei Alltagsvorgänge als Signal oder Prüfung erlebt werden),
  • Gefühl des „Gemachten“ (Patient ist überzeugt, dass etwas mit ihm und an ihm gemacht wird).

Symptome zweiten Ranges:

  • alle übrigen Sinnestäuschungen,
  • Wahneinfälle (richtige Wahrnehmung wird mit einer Wahnhaften Bedeutung verbunden),
  • Ratlosigkeit,
  • depressive und frohe Verstimmung (Depression und Manie können gleichzeitig mit der Schizophrenie auftreten),
  • erlebte Gefühlsverarmung (Verlust der Fähigkeit, Gefühle zu äußern und gefühlsmäßig zu reagieren),
  • optische Halluzinationen (optische Halluzinationen äußern sich meistens in Lichtern, Farben, Blitzen),
  • Geruchshalluzinationen (die Betroffenen riechen Benzin, Schwefel, Teer, Rauch und vieles mehr, was nicht zu lokalisieren ist oder aus bestimmten Ritzen, Geräten, Löchern usw. dringt),
  • Wahneinfall (wahnhafte Überzeugung, die plötzlich und ohne Außenreiz auftritt)

Eine weitere Einteilung kann über die Positivs- und Negativsymptome erfolgen.

Die Positivsymptome erfassen Symptome, die auf Grund von Fehlverarbeitungen des Menschen entstehen. Sie können auch als „Produktive Symptome“ bezeichnet.

Die Negativsymptome erfassen die Einschränkungen des normalen Erlebens. Hierunter fallen all die Symptome, die man als „Grundsymptome“ bezeichnen kann und bei denen es sich nicht um ein „Produkt“, also einer Fehlverarbeitung des Patienten handelt.

POSITIVSYMPTOME

Wahn:

Bei der Wahnvorstellung ist der Inhalt des Denkens (Vorstellungen, Überzeugungen) gestört. Die Menschen haben Gedanken und Ideen, von denen sie überzeugt sind, dass sie wahr sind, obwohl dies nicht der Wahrheit entspricht.

Störungen im Denken und Sprechen:

Eine auffällige Ausdrucksweise, welche zumeist auf ein verändertes formales Denken zurückzuführen ist. Formal bedeutet nicht, was man inhaltlich denkt, sondern wie man denkt.

Assoziative Lockerung (Zerfahrenheit):

Schon kleine Reize von Außen führen dazu, dass ein Patient den Faden verliert. Der gesamte Sprachfluss ist unzusammenhängend und nicht oder nur sehr schwer nachvollziehbar.

Perseverationen (Wiederholungen):

Ist eine ständige Wiederholung des Gesagten.

Neologismen (Wortneuschöpfungen):

Der Patient erfindet neue Worte und fügt diese in seinem Sprachfluss ein.

Halluzinationen:

Sind Fehlwahrnehmungen der Sinne.

Störungen im Gefühlsausdruck:

Schwierigkeiten sich emotional der Situation angemessen zu verhalten. Eine traurige Botschaft wird verlacht, etwas Schönes kann zum Weinen führen. Die gesamte Stimmungslage ist ziemlich unberechenbar. In kürzester Zeit kann Freude in Wut umschlagen.


NEGATIVSYMPTOME

Die wichtigsten Negativsymptome sind:


Flaches Gefühlsleben:

Der Mensch wirke im emotionalen Erleben „teilnahmslos“. Vieles wirkt „gleichgültig“. Die Mimik erscheint sehr starr, die Stimme wirkt monoton und der Blick ist nach unten gesenkt.


Wortarmut:

Die Patienten sprechen nur noch sehr wenig. Ihre Antworten sehr einsilbig oder sagen gar nichts mehr.


Körperliche Erschöpfbarkeit:

Nach und nach Verlust des körperlichen Leistungsvermögens. Einerseits durch die Krankheit selbst, aber sehr oft auch durch medikamentösen Therapie, hierdurch kommt es häufig zu einer sehr großen Müdigkeit.


Sozialer Rückzug

Rückzug aus der Welt, in der man lebt, da diese sich plötzlich verändert. Man verfällt zusehends den eigenen Gedanken und Ängsten. Dies führt oft zur Verwahrlosung, bei unzureichender Nahrungszufuhr kann dies sogar lebensbedrohlich werden.


Schlafstörung:

Es entwickeln sich Ein- und Durchschlafstörungen. Bei der Behandlung der Schlafstörung sind oft nur noch Medikamente hilfreich.


Erhöhte Stressanfälligkeit:

Zu der körperlichen Entkräftung kann sich auch eine „seelische Entkräftung“ gesellen. Dies führt dazu, dass die Menschen Stress überhaupt nicht mehr gut vertragen können. Die Belastbarkeit nimmt sehr stark ab, die Menschen ziehen sich immer häufiger zurück. [4]

Diagnose

Diagnose der Schizophrenie

Wichtig ist eine sorgfältige Diagnose, da die Schizophrenie ähnliche Symptome auch durch andere Erkrankungen des Gehirns hervorgerufen werden können. Als problematisch gilt, dass zwischen dem tatsächlichen Ausbruch der Krankheit und ihrer Diagnose eine erhebliche Zeitspanne liegen kann. Studien zeigen Veränderungen der ersten akuten Psychose. Die erste Behandlung erfolgt durchschnittlich zwei Monate nach dem Beginn der ersten akuten Phase. Um die unbehandelten Erkrankung zu behandeln, wurde inzwischen ein sog. Früherkennungszentrum eingerichtet. Der Arzt führt mit dem Patient ausführliche Gespräche, dabei beachtet er besonders auf typische Beschwerden. Der Schizophrenie- Patient kann diesen Teil der Krankheit nicht selbst wahrnehmen. Deshalb wäre es sehr wichtig, dass Familienangehörige dabei sind, um sie dazu zu befragen (Fremdanamnese). Auch bei typischen schizophrenen Beschwerden muss der Arzt andere Ursachen wie etwa Drogen- und Medikamentenmissbrauch, Hirntumore und andere neurologische Erkrankungen ausschließen. Bei der Ersterkrankung der Schizophrenie wird ein Diagnoseprogramm erstellt.

Die Untersuchungen werden komplett körperlich und neurologisch, eventuell auch mit einer neuropsychologischen Testung der Hirnleistungsbereiche organisatorisches Denken, Gedächtnisleistungen und Aufmerksamkeit durchgeführt; Dabei wird bei dem Patienten eine Blutuntersuchung und Urinuntersuchung durchgeführt, zum Ausschluss einer Entzündung und Stoffwechselstörung oder Drogen- und Medikamentenkonsum. Entsteht bei der Untersuchung der Verdacht auf eine Gehirnentzündung, muss zusätzlich das Nervenwasser (Liquor) untersucht werden.

Heute folgt die Klassifikation von Erkrankungen des schizophrenen Formenkreises der ICD-10 oder DSM-IV. Zur Definition und Diagnostik nach der ICD-10-Klassifikation Diagnoseschlüssel auf der Seite des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information.

Diagnostische Leitlinien: Das ICD-10 führt 9 Symptomgruppen an. Von den festgestellten Symptomen muss (nicht nur vorübergehend) mindestens ein Symptom aus den Gruppen 1 bis 4 und mindestens zwei Symptome aus den Gruppen 5 bis 8 zutreffen. Die Gruppe 9 dient zur Diagnose der „Schizophrenia simplex“ (ICD-10 F20.6) [5]

Pflege

  • Die Kontaktpersonen sollen nicht versuchen, dem Betroffenen seinen Wahn auszureden. Dies gelingt ohnehin nicht, er hält seine Gedanken und Wahrnehmungen für absolut real. Es kann aber den Wahn verstärken und somit den Kranken gefährden.
  • Kontinuität und Zuverlässigkeit im sozialen Umfeld: Die Bezugspersonen der Betroffenen sollten nicht ständig wechseln. Sie müssen wissen, wer für sie zuständig ist.
  • Die Bezugspersonen müssen ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Nähe und Distanz finden: Zu viel Nähe wird vom Patienten eventuell als Bedrohung empfunden, kann die Bezugspersonen beeinflussen oder anderweitig die Krankheit verschlimmern. Zu viel Distanz verstärkt die Einsamkeit und lässt den Kranken mit seiner Angst alleine.
  • Wichtig für schizophrene Patienten sind klare, einfache und übersichtliche Informationen. Der Kommunikationsstil muss eindeutig sein. Ironische Bemerkungen, komplizierte Erklärungen und vage Aussagen werden vermieden (also „um 9.00 Uhr komme ich und spiele mit Ihnen“ und nicht „vielleicht spielen wir nachher zusammen“)
  • Oft ergeben sich aus den Symptomen Hinweise auf mögliche seelische Konflikte, etwa wenn eine Patientin immer die Stimme eines ehemaligen Bekannten hört, in den sie unglücklich verliebt war und der sie nun auffordert, sich auszuziehen. Solche Hinweise darf man im Gespräch nicht einfach aufgreifen und bearbeiten, denn dazu ist das „Ich“ der Patientin in der akuten Krankheitsphase nicht stabil genug. Konflikte und auslösende Bedingungen werden erst besprochen, wenn die positiven Symptome abgeklungen sind.
  • Die Pflegenden ermöglichen stark psychotischen Paienten genügend Rückzugsmöglichkeiten. Teilnahme an Therapien oder mehr als die notwendige Körperpflege werden nicht erzwungen. Um eine Beziehung zu diesen schwer kranken Patienten aufzubauen, eignen sich besonders einfache gemeinsame Tätigkeiten. Vor Reizüberflutung durch Lärm, vor emotionalen Belastungen, zu vielen sozialen Kontakten oder Therapien werden die Kranken geschützt.
  • Akut Kranke können manchmal wegen Vergiftungsängsten nicht essen. Solange sie genug trinken, kann diese Essensverweigerung für ein paar Tage toleriert werden. Manchmal hilft es, Obst oder originalverpacktes Essen anzubieten. Beispielsweise trinkt ein Patient, der das Stationsessen verweigert, eventuell Säfte aus vor seinen Augen geöffneten Flaschen.
  • In jeder Krankheitsphase versuchen die Pflegenden, die gesunden „Anteile“ der Patienten zu entdecken und zu fördern. Bemerkt man etwa, dass ein Patient gerne spielt, kann diese „gesunde“ Fähigkeit durch das regelmässige Spielen mit einer Pflegekraft gestärkt werden. Für einen Patient, der wieder arbeiten möchte, ist nach ausreichender Stabilisierung die Arbeitstherapie geeignet.

Komplikation, Aufgaben der Pflege

Alle Formen der Schizophrenie können chronisch oder akut beginnen. Die Krankheit verläuft chronisch-schleichend oder in akuten, häufig periodisch auftretenden Schüben von Tagen bis Jahren. Ein Schub kann einzeln auftreten, meist folgen aber mehrere aufeinander. Die Schübe heilen oft nicht völlig ab. Sie können zu Defekten führen, in schweren Fällen zum Verlust kognitiver Fähigkeiten (schizophrene Demenz).

  • Selbstschutz und Schutz Dritter bei aggressiven Attacken
  • Regelmäßigkeit in der Lebensführung
  • Compliance fördern. Erfolgserlebnisse mitteilen.
  • evtl. Vorbereitung für eine (externe) Wohngruppe.

Therapie

Als erstes muss gesagt werden das Schizophrene Störungen nicht im eigentlichen Sinne "heilbar" sind. Schizophrenie ist eine medizinische Behandlung und drückt sich bei jedem Patienten anders aus, so ist auch die Behandlung von Patient zu Patient unterschiedlich.

Beginn der Therapie

Die Therapie beginnt meist mit der Einschätzung des Schweregrades der Erkrankung und der Symptome. Sie sollen ein Gespräch mit Ihrem Arzt führen und sich die vorgeschlagene Therapie erläutern lassen. Vor dem Beginn der Behandlung wird ein Behandlungsplan aufgestellt, der auf Ihre Bedürfnisse abgestimmt wird.

Medikamentöse Behandlung

Meist steht die Medikamentöse Behandlung bei akuten Phasen im Vodergrund. In erster Linie werden sogenannte Neuroleptika eingesetzt, diese wirken spezifisch auf psychotische Symptome, d.h gegen Halluzinationen aber auch gegn Minus,-Symptomatiken wie Antriebslosigkeit, Affektverflachung oder Depressivität. Zusätzlich werden manchmal Antidepressiva oder Angstlösende Medikamente verschrieben. Neuroleptika führen nicht zur Abhängigkeit!

Nicht-Medikamentöse Behandlung

Der Beginn entwickelt sich meist schleichend.In der akuten Phase ist es ganz wichtig als Patient eine vertrauensvolle Bindung zu seinem Therapeuten zu haben. Mit dieser Bindung steht und fällt der Behandlungserfolg!

Als wesentliche Basismaßnahme wird die sogenannte Psychoedukation empfohlen. Hierauf aufbauend erfolgen die weiteren Therapien:

- Soziotherapie, Arbeitstherapie und Ergotherapie wirken psychisch stabilisierend, das heißt sie können dem Patienten ermöglichen sich wieder in eine Tagesstrukturierung zu etablieren.

- Eine Psychotherapie, evtl. mit Verhaltenstherapeutischen Elementen.

- Durch eine Gruppenpsychotherapie können Betroffene wieder mehr Eigenverantwortung erlangen.

- Eine Familientherapie verringert die Rückfallgefahr durch negative Einstellungen der Umgebung.

- Eine alternative Millieutherapeutische Stationäre Behandlung ist Soteria.

Prognose

Immerhin bei ca. 20% der Erkrankten tritt nach dem erstem Schub eine vollständige Heilung / Verschwinden der Krankheit auf, eine Langzeitbeobachtung ist dennoch sinnvoll. Ungefähr 60% der Erkrankten können nach der Therapie wieder in ihr soziales Umfeld (und ihre Arbeit) integriert werden. Um die 20% der Erkrankten haben einen sehr ungünstigen Verlauf mit schlechter Wirksamkeit der Therapie oder der Entwicklung eines ausgeprägten Residuums (nach einer Episode dauerhaft zurückbleibende Krankheitsfolgen). Allgemein gilt das bei einem wellenförmigem, schubweisem Verlauf die Prognose besser ist als bei einem schleichendem Verlauf (aufgrund einer schlechteren Wirksamkeit der medikamentösen Therapie).

Quellen

Literatur

  • Thomas Bock: Basiswissen – Umgang mit psychotischen Patienten.
  • Anke Gartelmann, Andreas Knuf (Hrsg.): Bevor die Stimmen wiederkommen
  • Heinz Häfner: Das Rätsel Schizophrenie. Eine Krankheit wird entschlüsselt. C.H.Beck-Verlag, 3. Aufl.,2005, ISBN 3-406-52458-3

Film

  • A Beautiful Mind. (Der Mathematiker und Nobelpreisträgers John Forbes Nash erkrankt als junger Erwachsener. In der Hauptrolle Russell Crowe.)
  • Das weiße Rauschen. Deutschland, Hauptrolle Daniel Brühl.

Weblinks


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vgl. Wikipedia: "Schizophrenie"