Der Arzt Albert Schweitzer (* 14. Januar 1875 in Kaysersberg im Oberelsass bei Colmar (damals deutsch); † 4. September 1965 in Lambaréné, Gabun) war auch (oder vor allem) evangelischer Theologe, Organist und Philosoph. Im 20. Jahrhundert galt er vielen als ein Vorbild in der praktischen und persönlichen Entwicklungshilfe von Europäern in Afrika. Er gründete gemeinsam mit seiner Frau ein später sehr bekanntes Urwald-Krankenhaus in Lambaréné (Gabun, Provinz Moyen-Ogooué ) und erhielt 1952 den Friedensnobelpreis.

Lebensstationen

Nach seinem Abitur 1893 in Mülhausen (heute Mulhouse) studierte er an der Universität Straßburg die Fächer Theologie und Philosophie und in Paris Orgel. Er wurde 1899 in Berlin im Fach Philosophie promoviert. 1901 verfasste er eine theologische Dissertation über Jesus und habilitierte sich an der Universität Straßburg in Evangelischer Theologie. Von 1905 bis 1913 studierte Schweitzer Medizin in Lüttich mit dem Ziel, in Afrika Missionsarzt zu werden.

1912 heiratete er mit Helene Bresslau. Sie hatten eine Tochter (1919).

1913 reisten sie erstmals nach Französisch-Äquatorialafrika (heute Gabun). Außer der Musik prägte seine Tierliebe das Bild von ihm. Als der Erste Weltkrieg begann, wurden er und seine Frau als Deutsche von der französischen Armee in Koula-Moutou unter Hausarrest gestellt und 1917 bei Bordeaux bis Juli 1918 interniert.

Nach dem Krieg leben sie im Elsass und wurden französische Bürger. Er arbeitete als Assistenzarzt in einem Straßburger Krankenhaus. Bis 1924 hatte er genügend Geld verdient um wieder nach Afrika zu fahren und dort das Urwaldhospital auszubauen. Seine jüdische Frau entkam der Verfolgung durch die Nazis nur sehr knapp.

1949 unternahm Schweitzer seine erste Reise in die USA. Im Pazifismus engagierte sich Schweitzer gegen die Kriegsgefahren nach 1945, insbesondere gegen die Rüstungsspirale der atomaren Aufrüstung im Kalten Krieg. Eine Radiosendung von ihm „Appell an die Menschheit“ wurde weltweit gesendet. Schweitzer gehörte 1958 neben Otto Hahn zu den prominentesten Unterzeichnern einer von Linus Pauling initiierten und sehr beachteten Unterschriftensammlung gegen die Atombombentests.

1965 wurde er anlässlich seines 90. Geburtstages in seinem Krankenhaus in Afrika von vielen Prominenten besucht. Das Krankenhaus Lambarene wurde 1974 von einer internationalen Stiftung übernommen und ist heute eine moderne Klinik. Das von Schweitzer gegründete Lepradorf beherbergt noch etwa 30 Patienten.

Auszeichnungen

Die bekannteren Auszeichnungen sind

  • 1928: Goethepreis, Frankfurt/M
  • 1949: Ehrenbürger der Stadt Königsfeld (Schwarzwald)
  • 1951: Friedenspreis des Deutschen Buchhandels
  • 1951: Johann-Peter-Hebel-Preis
  • 1953: Friedensnobelpreis im Oktober 1953 rückwirkend für 1952
  • 1954: Pour le mérite für Wissenschaft und Künste (BRD)
  • 1958: Ehrendoktor der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster
  • 1959: Ehrenbürger der Stadt Frankfurt am Main
  • 1959: Sonning-Preis der Universität Kopenhagen

Literatur

(Auswahl)

  • Albert Schweitzer: Das Problem des Friedens in der heutigen Welt. München: Beck, 1955.
  • Albert Schweitzer: Aus meinem Leben und Denken. Meiner, Leipzig, 1931.
  • Harald Steffahn: Das Albert Schweitzer Lesebuch. Beck, München 1995. 407 Seiten. ISBN 978-3-406-59196-9
  • Claus Günzler: Albert Schweitzer. Einführung in sein Denken. Beck, München 1996. ISBN 3-406-39249-0.
  • Nils Ole Oermann: Albert Schweitzer 1875-1965. Eine Biografie. Beck, München, 2009. 367 Seiten. ISBN 3406591272

Filme

Es gibt eine Reihe älterer Filme über oder mit ihm. 2009 kommt ein neuer Film in die Kinos: Albert Schweitzer - Ein Leben für Afrika (Regie Gavin Millar; 100Min, Jeroen Krabbé als A. Schweitzer).

  • 1952: André Haguet, Es ist Mitternacht, Dr. Schweitzer. (Französischer Spielfilm, 110 Min, schwarzweiß, 1953 in Deutschland; Pierre Fresnay als A. Schweitzer)
  • 1957: Jerome Hill, Albert Schweitzer (Amerikanische Dokumentation mit Spielszenen auf deutsch, Oscar für "Documentary Feature"; Schweitzer tritt selbst auf und spricht die verbindenden Texte. Weitere Familienangehörige als Mitwirkende)

Weblinks