Mit Sozialer Isolation (italienisch isola = Insel) wird die Abtrennung oder Abkapselung eines Menschen oder einer Gruppe von der übrigen Gesellschaft oder Umfeldes bezeichnet. Die soziale Isolation kann selbst gewählt sein: Wenn jemand freiwillig ein Leben als Einzelgänger führt, leidet er in der Regel nicht unter der Isolation. Aber Abtrennung kann auch ungewollt entstehen und dadurch als leidvoll empfunden werden. Dabei wird die Isolation durch äußere Faktoren (wie u.a. Armut, körperliche oder seelische Erkrankung) hervorgerufen oder von anderen Personen oder Gruppen unbedacht, manchmal aber auch absichtlich ausgelöst.

Bestimmte Gruppen in einer Gesellschaft sind besonders gefährdet, in die unfreiwillige soziale Isolation zu geraten. Dazu gehören u.a. alte Menschen, Arbeitslose oder Menschen mit nur geringem Einkommen, chronisch Kranke oder Behinderte, Menschen ausländischer Herkunft und Alleinerziehende.

Soziale Isolation wird unter der Pflegediagnose Sozialverhalten beeinträchtigt eingeordnet; die entsprechende NANDA-Pflegediagnose ist Soziale Isolation (00053) oder Vereinsamungsgefahr (00054).

Begriffsbestimmungen

Soziale Isolation ist durch die objektiv feststellbare unterdurchschnittliche Menge und Qualität der Kontakte zu anderen Menschen gekennzeichnet. Unterschieden wird dieser Begriff vom oft selbstgewählten Alleinsein, das zumeist im positiven Sinn dem Bedürfnis "für sich zu sein" entspricht. Einsamkeit wird dagegen als negativ empfunden, dieses subjektive Gefühl kann auch bei Menschen auftreten, die objektiv über ausreichend Kontakte verfügen und Zuwendung erhalten.


Beeinflussende Faktoren

  • zunehmende Anonymität, v.a. in den größeren Städten, damit einhergehende Interesselosigkeit am Umfeld (Nachbarn) oder Angst vor der Sichtweise Anderer ("Was denken die wohl von mir, wenn ich sie einfach so anspreche?")
  • geringes Selbstbewusstsein, Schüchternheit, sich selbst als defizitär empfinden ("Was sollen andere schon an mir interessant finden?")
  • Ausgrenzung durch andere aufgrund von Vorurteilen oder angenommener Verfehlungen, aufgrund Unkenntnis seelischer Störungen oder körperlicher Beeinträchtigung
  • eigene Isolation wegen körperlicher Behinderungen oder äußerlich sichtbaren Krankheiten (z. B. Hauterkrankungen, Tumore im HNO-Bereich), aber auch bei nicht erkennbaren körperlichen Veränderungen, die aber subjektiv als Hindernis wirken (z.B. nach Colostomie befürchten Patienten u.a., sie könnten unangenehm riechen, der Anus-praeter-Beutel könnte sich lösen)
  • zunehmende Kommunikationstechnik führt zur Ausgrenzung von Menschen, die sich davon überfordert fühlen
  • eigene Abgrenzung zu jüngeren Generationen bei demonstriertem Unverständnis oder sogar Abwertung von allem, was "neu" ist
  • Kinderlosigkeit
  • Schwerhörigkeit
  • Immobilität
  • Traumatische Erlebnisse (Mißbrauch, Vergewaltigung, Raub, Einbruch)

Beobachtung

An Einsamkeit leidende Menschen können körperliche Symptome wie Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden oder unspezifische Herzbeschwerden äußern. Selbstgespräche oder auch Verwirrtheitszustände können ein Hinweis sein, ebenso überzogene Hinwendung zu einem Haustier (Partner- bzw. Kinder-Ersatz) oder häufige Arztbesuche ohne Notwendigkeit.

Gerontologie

Alleinlebende oder subjektiv als einsam wahrgenommene alte Menschen fallen in der Gerontologie nicht unter den Begriff der sozialen Isolation. Einsamkeit soll nicht mit Isolation gleichgesetzt werden, weil das soziale Netz im Alter durch das Wegsterben der gleichaltrigen Generation zwangsläufig kleiner wird. Die Frage ist, wie diese Vereinsamung wahrgenommen wird. Die wenigen noch bestehenden können als genauso befriedigend erlebt werden wie die früher zahlreicheren Beziehungen.

Mit zunehmendem Alter werden immer mehr Menschen (unfreiwillig) durch Verwitwung zu Alleinstehenden. Mit beruflicher oder familiärer Entpflichtung gehen bereits oft Anerkennung und Kontakte verloren; mit geringer werdendem Bewegungsradius nimmt die Angewiesenheit auf die (evtl. bereits schon immer mangelhaften) Bedingungen des unmittelbaren Lebensumfeldes zu. Der Tod des Lebenspartners wird als ein gravierender Einschnitt empfunden. Kommt hier von außen oder durch einen inneren Entschluss der Rückzug/die Trennung von Kontakten hinzu, treten Isolation und Einsamkeit zugleich auf.

Siehe auch

Literatur

  • Ulf Poschardt: Einsamkeit. Die Entdeckung eines Lebensgefühl. Piper, 2006, ISBN 978-3-8225-0673-8
  • Wichard Puls: Soziale Isolation und Einsamkeit. Ansätze zu einer empirisch-nomologischen Theorie. Wiesbaden, Deutscher Universitätsverlag, 1989.
  • A. Heuwinkel-Otter, A. Nümann-Dulke, N. Matscheko (Hrsg.): Menschen pflegen - Der Praxisbegleiter für Pflegeprofis. Springer-Verlag, Heidelberg 2009 ISBN 3-540-79320-5


Zitat

"In unserer Arbeit gegen die Vereinsamung ist Zeit unsere Hauptwaffe. Zeit sich individuell um einen Menschen zu sorgen." (Altenpflegerin O. H., Grond S. 184)

Weblinks