Was soll, was muß im Laufe eines Jahres von einer PflgeschülerIn gelernt werden? Was nicht? Was ist ein Stoffverteilungsplan ?

Unterscheide unbedingt den Stoffverteilungsplan und den Lehrplan!

Typisches Zitat von einem armen Lehrer-Anfänger: „… in 2 Wochen fängt die Schule an und ich bastle am Stoffverteilungsplan, also der Grobplanung des gesamten Schuljahres. Dabei verzweifle ich ein wenig: Die Inhalte zu "verteilen" fällt mir nicht schwer, denn das lässt sich ja recht gut machen. Jedoch fehlt mir bei der Zeitplanung ein wenig der Durchblick, denn ich weiß noch nicht so genau, was ich im Detail machen will und wo ich mal etwas intensiver arbeiten will.“ „ … wie die Leute das schaffen, das schon so genau zu planen?“

Na ja, da wird so getan, als könnte eine Lehrperson hellsehen und allein durch einen Zettel Papier das Geschehen im Klassenzimmer über das Jahr optimal einrichten. Es geht wirklich nur um die Übersicht der ca. 40 Schuljahres-Wochen und den darauf mindestens zu verteilenden Stoff. Im Lehrplan ist der Mindest-Stoff endgültig aufgezählt. Der ist das Muß. Nicht einmal unbedingt wochenweise: machmal reicht bei größeren Stoffabschnitten die Angabe eines Zeitabschnitts, wie zwischen Herbstferien und Heilig Abend. Und dann wird aufgezählt, welche Inhalte erarbeitet werden sollen.

Lehrplan unterscheidet Pflicht und Kür

Im Lehrplan gibt es dazu noch eine weitere Spalte mit Informationen für die Lehrperson. Dort wird auf die Erweiterungsmöglichkeiten des Pflichtstoffes, Beispiele oder möglichen didaktischen Hilfen hingewiesen, die zusätzlich ausgewählt werden können. Was die Lehrperson davon auswählt bleibt ihrer pädagogischen Fähigkeit und Erfahrung überlassen. Es ist eine große Versuchung für engagierte LehrerInnen noch dieses und das, was sie auch für wichtig hält, zu berücksichtigen. Den Anfängern sei zunächst geraten, nicht allzuviel Erweiterungen aus der dritten Lehrplan-Spalte zu berücksichtigen. Weniger ist auch hier mehr.

Sollte zum Halbjahreszeugnis der Zeitplan gut eingehalten sein, dann lässt sich immer noch etwas Zusätzliches aufnehmen. Gerät die Lehrperson aber bereits da in Zeitnot, setzt sie die Schülerinnen und sich nur unnötig unter Druck, wenn sie/er den (selbst) überladenen Plan einhalten will. Spätestens dann sollte der Stoffverteilungsplan überarbeitet werden und alles an Zusatzangeboten rausgestrichen. (NB: Wie war das mit der Evaluation in der Pflegeplanung?)

Zugegeben, die LehrerInnen, die den Stoff bereits das zweite oder dritte Mal unterrichten, haben es mit der Stoffverteilung übers Jahr leichter, weil sie bereits ausprobieren konnten, was eine durchschnittliche Schulklasse bewältigt. Aber auch da kann es die Bauchlandung geben, wenn plötzlich unvorhersehbare Probleme in der Klasse, am Arbeitsplatz der PflegeschülerInnen oder eben im Privatleben dieser jungen Menschen oder auch der Lehrperson selbst auftauchen. Die LehrInnen sind jederzeit durchaus berechtigt, begründet ihren vorgesehenen Lehrplan zu kürzen oder zu straffen. Da wird dann mancher Pflichtstoff nur vorgetragen und es gibt keine zweite und dritte Übungsphase. (Aber trotzdem eine Klassenarbeit, in der auch dieser Stoff abgefragt wird.)

Der Lehrplan des Ministeriums berücksichtigt aber bereits in seinem Pflichtteil (zweite Spalte), was machbar ist. Die Änfänger sollten also mit etwas Vertrauen in den Schulrat oder Fachmentor akzeptieren, dass sie erstmal die Hälfte davon nur das auf das Halbjahr usw. zur verteilen haben. Besser 15% oder 20% Unterrichtsausfall eingeplant als auf Wunder zu hoffen.

Das zweite Halbjahr

Das zweite Halbjahr ist darüber hinaus noch durch einige Erschwernisse belastet, die einen eher locker/luftigen Stoffverteilungsplan erfordern, als einen bis auf die letzte Viertelstunde vorausgeplanten Horrortrip durch die Schulbibliothek und das Internet auf einmal. Es gibt dann (auch zusätzliche fachfremde) Prüfungen mit jeder Menge Korrekturnächte, plötzlich notwendig werdende Endlos-Konferenzen mit den dazugehörigen Endlos-Debatten in den Klassen, Krankheitsausfälle und und und . . .

Klassenarbeiten als Meilensteine sehen

Um jedoch am Schuljahresende den Pflichtstoff absolviert zu haben, ist es sinnvoll ungefähr zu wissen, wann Klassenarbeiten geschrieben werden sollen(und korrigiert), bis wann Einreichungsnoten erstellt sein müssen und ab wann evtl. mit Abordnungen zur Prüfungsteilnahme an auswärtigen Schulen zu rechnen ist. Schrecklich für die SchülerInnen sind die Lehrpersonen, die zwischen Weihnachstferien und 31. Januar "fürs" Zeugnis plötzlich noch zwei Klassenarbeiten "benötigen".

Die Kollegin/Kollege, die im nächsten Schuljahr das Fach unterrichtet, ist genauso froh, wenn das Pflichtziel im Vorjahr erreicht wurde, wie die SchülerInnen, die den versäumten Stoff sonst „ausbaden“ müßten.

Trost

In einer Handreichung für die sächsische Lehrerausbildung heißt es u.a.: “Seitens des Staatsministeriums für Kultus gibt es keine Vorschriften bezüglich der Erstellung eines Stoffverteilungsplanes oder eines Arbeitsplanes.

Der Lehrplan weist für die einzelnen Fächer verbindliche Ziele und Inhalte aus. Diese können zunächst grob auf die Wochen des Schuljahres aufgegliedert werden. Die Planung von Stoffkomplexen/Unterrichtseinheiten erfolgt für kürzere Zeiträume. Über welchen Zeitraum sich ein Stoffplan erstreckt, entscheidet letztlich der Lehrer. Es ist sein Arbeitsmittel. Die Gestaltung ist seinen Auffassungen überlassen. Die Pläne unterscheiden sich von Fach zu Fach..." (Ende des Zitats)

Und so ungefähr gilt das in allen dt. Bundesländern.

Jeder Gedanke darüber hinaus wäre verschenkte Energie (cave !), die besser in die Vorbereitung einzelner Schultage und -stunden fließt.





- zur Übersicht der Lernfelder in der Altenpflegausbildug insgesamt.

- Altenpflegegesetz



Literatur

Als konträren Meinungs-Beitrag (zum Unterschied zwischen Soll und Sein) ein Aufsatz aus dem Bundesinstitut für Berufsbildung :

    • Die schulische Ausbildung hat Lernfelder – braucht sie einen »Stoffverteilungsplan«? Grundsätzlich: Nein!
    • Sonst finden sich an dieser URL einige zum Lernfeld 3 — Altersspezifische Gesundheits- und Krankheitsbilder.