Unter Theorie-Praxis-Vernetzung versteht man, dass theoretisches Wissen, welches durch Forschung gewonnen wurde, den Weg in die Praxis findet, und somit dort zur Anwendung kommt

Eine Zeitgemäße Bildungsarbeit

"Zeitgemäße Bildungsarbeit zeichnet sich durch Modernität und Praxisnähe aus. Beides ist aber ohne intensiven Kontakt zur betrieblichen Praxis nicht zu haben. [...]

Nur schulisch erworbenes Wissen bleibt „träges“, äußerliches Wissen, weil es vom Lernenden im Prozess des Wissenserwerbs nicht mit praktischer Bedeutung versehen und verinnerlicht werden kann. Pflegekompetenz und -qualität entstehen aber auch nicht allein durch arbeitsplatzbezogenes Erfahrungswissen. Ohne theoretische Fundierung und ohne Einsicht in generelle, auch überbetriebliche Zusammenhänge könnte ein solches Erfahrungswissen wenig zur Entwicklung der Pflegepraxis beitragen. Das Krankenpflegegesetz von 2004 schreibt auch wegen dieser Gründe geplante Anleitungen durch Praxisanleiter vor. Diese beinhalten die Chance einer größere Strukturierung und Systematisierung der praktischen Pflegeausbildung als bisher üblich (Keuchel 2006).

Um diese Chance effektiv und effizient nutzen zu können, ist eine systematische und auf gemeinsam getragene Ausbildungsziele ausgerichtete Kooperation der beiden Lernorte Schule und Betrieb unabdingbar."[1] [1]

Interview mit einer Schülerin:

"Also ich finde halt, dass in der Theorie, also es halt ganz schön theoretisch. Man hat dann tausend Theorien und da steht man dann eben vor dem Patienten und dann, also der Umgang mit Menschen ist halt das, ... wo ich sage, ... das fehlt halt so in der Theorie. Man wird ... so auf die Menschheit losgelassen, sag ich mal, und da steht man dann halt da. Okay, ... die Theorie hab ich, aber wie setze ich das jetzt um? ... da steht man ... eben vor dem Patienten und dann, ja wie bringe ich dem das jetzt rüber und so. ... das man ... halt nicht so einfach in die Praxis rein geschmissen wird mit zentnerweise Theorie und dann weiß man nicht, wie gehe ich denn nun mit dem Menschen an sich um." [2] Das Interview mit einer Lernenden aus Radkes Fachbuchveröffentlichung: Praxisbegleitung in der Pflegeausbildung zeigt das gängige Problem der Kluft zwischen Theorie und Praxis eines ausbleibenden Wissenstransfers von erlernten Wissen in der theoretischen Ausbildung und der Umsetzung im praktischen Setting.

Durch eine ausgerichtete Kooperation[2] kann die Vernetzung von theoretischen und praktischen Ausbildungsinhalten, die verschiedenen beruflichen Kompetenzen (fachliche, personale, soziale und methodische Kompetenzen) und Schlüsselqualifikationen der Lernenden gefördert werden. Kompetenz bezeichnet den Lernerfolg in bezug auf die einzelnen Lernenden und seine Befähigung zu eigenverantwortlichem Handeln in beruflichen, gesellschaftlichen und privaten Situationen. Demgegenüber wird unter Qualifikation der Lernerfolg in Bezug auf die Verwendbarkeit, d.h. aus der Sicht der Nachfrage in beruflichen, gesellschaftlichen und privaten Situationen verstanden." [3] Welche Anforderungen werden in diesem Zusammenhang an die Praxisanleiterinnen und Praxisanleiter sowie an die Lehrkräfte der betreuenden Ausbildungseinrichtung gestellt, um eine Förderung der Kompetenzen und Schlüsselqualifikation zu erreichen?

Nach § 4 Abs. 5 KrPflG und § 4 Abs. 4 AltPflG unterstützt die Schule die praktische Ausbildung durch Praxisbegleitung. In den jeweiligen Ausbildungs- und Prüfungsverordnungen und der Berufsfachschulordnung Pflegeberufe wird dieser Auftrag präzisiert:

  • Betreuung und Beurteilung der Schülerinnen und Schüler
  • Beratung der Praxisanleiterinnen und Praxisanleiter[3]
  • "Die praktische Ausbildung [...] ist [...] durch die Schule zu lenken und zu betreuen."[4]

Die Bewertung durch die Lehrkräfte der Schule ersetzt daher nicht die Beurteilung der Schülerinnen und Schüler durch die zugeteilte pädagogisch geschulte Bezugspflegekraft. Vielmehr soll durch die Anwesenheit der Lehrkräfte in den Einrichtungen der praktischen Ausbildung den Lernenden transparent werden, dass Theorie und Praxis miteinander verbunden sind.

Die daraus resultierenden Beteiligten für ein erfolgreiches Funktionieren einer Vernetzung sind

  • die Lehrenden (Lehrer für Pflegeberufe/Pflegepädagogen)
  • Praxisanleiterinnen und Praxisanleiter
  • Pflegedienstleiter
  • Stationsleiter
  • Pflegende
  • Lernende

Dielmann beschreibt in seinen Kommentaren zur Novellierung zum Krankenpflegegesetz 2004, dass die Praxisanleitung als "schrittweises Heranführen an die eigenständige Wahrnehmung der beruflichen Aufgaben" definiert ist. Der praktischen Ausbildung und den Praxisanleitern wird somit ein wesentlicher Beitrag zur Erlangung der Berufsfähigkeit zugewiesen. Des weiteren ist es Aufgabe dieser pädagogisch geschulten Fachkraft die Verbindung mit der Schule zu gewährleisten. (vgl. Dielmann 2006)

Empfehlung der Deutschen Krankenhaus-Gesellschaft

Die resultierende Empfehlung der Deutschen Krankenhaus-Gesellschaft (DKG) vom 30.03.2006 gibt Aufgaben für Praxisanleiter an, welche in Gegenüberstellung mit den Aufgaben der Lehrkräfte transparent wird und auch Schnittstellen mit der theoretischen Ausbildung aufzeigt. Beide Berufsgruppen können nur Gemeinschaftlich eine Reduzierung der Theorie-Praxis-Kluft - am Lernort Praxis - und somit eine adäquate Förderung der Lernenden erreichen. Um eine Reduzierung der Kluft zu erreichen und somit auch die Vernetzung der theoretischen und praktischen Ausbildung im Netzwerk der Schule aufzeigen können werden hier exemplarisch mögliche Lernorte für die praktische Ausbildung aufgezeigt.

Wie die Theorie dient auch die praktische Ausbildung dem Gesamtzweck der Ausbildung, nämlich der Erreichung des Ausbildungsziels.

Lernorte

Als "klassische Lernorte" für die praktische Ausbildung sind exemplarisch aufzuzählen: die chirurgischen und internistischen Stationen, Palliativstationen und die Funktionsbereiche der Einrichtungen wie OP, Nothilfe und Intensivstationen.

Nur durch die geplante Abstimmung von Blockunterricht und Praxiseinsatz ist es den Auszubildenden und betreuenden Bezugspersonen[1] möglich Lernsituationen auf den Stationen und Funktionsbereichen herbeizuführen, welche einen Bezug zur Realität aufweisen können. Damit kann dem Beispiel des trägen Wissens (ausbleibenden Wissenstransfer) wie im Interview mit der Lernenden vorgebeugt, bzw. durch die Fachkraft vor Ort entkräftet, und in eine nutzbringende Lernsituation für die Auszubildende umgewandelt werden.

Neben den "klassischen Lernorten" gibt es mittlerweile auch ergänzende Lehrmethoden um Lernsituation für Lernende zu gestalten. " Unterrichtsgeschehen soll Interesse und Neugier wecken und zu eigener Lernaktivität führen. Geeignete Methoden können dazu beitragen, das zu erreichen: zu nennen sind hier insbesondere [...] Training in „Skill-Labs“, Arbeiten mit Simulationspatienten." [4] um zur Sicherung der praktischen Pflegeausbildung beizutragen.

Skill-Labs eine Möglichkeit der Fähigkeitenschulung

Um das problemlösende Denken zu fördern können Skill-Labs(Fähigkeiten-Laboratorien) herangezogen werden. Skills-Labs sind, wie die angelsächsische Schreibweise erschließen lässt, in der tat Laboratorien die in hervorragender Weise mit Medien aller Art, Lern- und Demonstrationsmaterial, Modellen, Simulationsangeboten etc. ausgestattet sind. Hinzu kommt ein Mentor, der den Schülern als Ansprechpartner und Berater zur Verfügung steht.

Dieses "Fähigkeitentraining" ersetzt in diesem Sinne die Praxis natürlich nicht, sondern dient dazu den Schüler auf eine mögliche Arbeitssituation (z. B. Grundpflege bei einem Patienten) vorzubereiten und regelgeleitet und relativ vorurteilsfrei zu erlernen. (vgl. Schewior-Popp und Lauber)

Schulstationen – Examiniert auf Probe

Blank und Fischbock beides Pädagogen an der Hochschule in Hannover beschreiben in ihrem Artikel: "Examiniert auf Probe" – Ein Erfahrungsbericht zur Implementierung einer Schülerstation, die Einrichtung einer Neurologischen Station, welche unter Begleitung von Fachkräften ausschließlich von Krankenpflegeschülern mit realen Patienten geführt wird. Durch den Einsatz einer Schulstation kann der Auszubildende die unterschiedlichen Aufgabenfelder welcher im normalen Betrieb auf einer Station vor.

Quellen

  1. http://www.akademie-klinikum-muenchen.de/fileadmin/Internet-Dateien/Aktuell/LBB-AKM_19Feb09.pdf
  2. (Radke, 2006/b, D/464-485)
  3. Stöcker G.: DBfK Integration von Theorie und Praxis, S.3
  4. Bienstein et al. (2001): Pflege neu denken. Zur Zukunft der Pflegeausbildung, S.34


/ [2] Schule und Ausbildungsbetrieb / [3] Vgl. § 2 Abs. 3 AltPflAPrV und § 2 Abs. 3 KrPflAPrV / [4] BFSO Pflege § 3 Abs. 5 Satz 2