Sie nennt sich Justyna Polanska*, so beziehungsvoll das Pseudonym einer illegal in Deutschland Arbeitenden (32jährige Frau mit mit elf Jahren Erfahrung als "Putzfrau", Haushaltshilfe) und hat im 224 Seiten starken Buch Unter deutschen Betten – Eine polnische Putzfrau packt aus auch beschrieben, welche Lebens- und Arbeitsbedingungen sie als "Illegale" antrifft. Auch ihre Mutter und ihre Schwester seien ihr inzwischen gefolgt und hätten in Deutschland als Putzfrau angeheuert.

Nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) sind in der Bundesrepublik 95 Prozent aller Haushaltshilfen schwarz beschäftigt. Sie arbeiten illegal in rund vier Millionen Wohnungen und Häusern. Allein in Berlin seien es rund 200.000 Haushaltshilfen, die nicht angemeldet sind. Dabei entstehe für Staat und Versicherungen durch Schwarzarbeit deutschlandweit jährlich ein Schaden von bis zu 150 Milliarden Euro.

Bei einer 40-Stunden-Woche verdient sie etwa 1.500 bis 2.000 Euro im Monat. „Ich mache mir keinen Kopf über irgendwelche Abrechnungen.“ Ihre Arbeitgeber sehen das in Bezug auf den Staat auch so und machen ihr den Alltag allerdings nicht immer leicht. Vielleicht erklärt das auch, warum Polanska berichtet: "Die meisten meiner Landsleute, die hier leben, lehnen Deutschland und die Deutschen ab." Und die polnischsprachige Gemeinde in Deutschland umfasst inzwischen Schätzungen zufolge 1,5 bis 2 Millionen Menschen.

Zitat: "Es ist nicht alles Gold, was hier in Deutschland glänzt", sagt sie. Das gelte für den "Dreck hinter den schönen Fassaden", aber ebenso für das gesellschaftliche Miteinander.

Übrigens: * Justyna Polanska schreibt unter einem Pseudonym, da sie gerne noch weiter bei ihren Kunden beschäftigt bleiben möchte.

Putztips

Etwas ärgerlich für manche Lesende werden die vielen Putztips sein, die Polanska wiederholt. Sie sind nicht originell und könnten zumeist aus dem Haushaltsschulbuch von 1950 stammen. Aber wer sowas noch nicht weiß, kann auch hier manches lernen (vielleicht ein boystag-Beitrag).

Siehe auch

Rezensionen in Zeitungen

Buchtitel

Weitere Literatur

  • Adam Soboczynski: Polski Tango. Kiepenheuer, Berlin, 2006. ISBN 9783378006751
  • Alena Schröder: Wir sind bedient: 26 Frauen über harte Jobs. Diana Verlag, 2010. ISBN 978-3453380110 (Thema Frauenberuf. Über die Tätigkeit als Zugbegleiterin, Hebamme, Hotelfachfrau, Stewardess, Pharmareferentin, Reinigungskraft, Politesse, Messehostess, Fleischereiverkäuferin, Dolmetscherin, Fließbandarbeiterin, Blumenhändlerin, Callcenteragentin, Altenpflegerin, Ballerina, Drogerieverkäuferin, Wirtin oder Prostituierte — alle werden mehr oder weniger schlecht behandelt und sind meistens den Launen der Chefs / Kunden individuell ausgesetzt.)