Ein Krankenhausaufenthalt/ Heimeinzug ist ein einschneidendes Ereignis im Leben eines Menschen. Das Pflegepersonal ist daher immer bemüht eine Atmosphäre zu schaffen, die den vielfältigen Ängsten des Patienten/Klienten/Bewohner seiner besonderen Lage durch Freundlichkeit und Zuwendung entgegenwirkt.

Parallel zur medizinischen Versorgung muss dem kranken/alten Menschen ein Gefühl der Geborgenheit vermittelt werden sowie Vertrauen geschafft und seine Hoffnung und sein Lebenswillen unterstützt werden. Empathie ist die wichtigste Basis für eine gelingende und zum Erfolg führende Beziehung. Fehlt echte Empathie, sind therapeutische Fehlschläge und sogar der Abbruch der Beziehung durch den Klienten unvermeidlich.

Der Pflegedienst ist die Berufsgruppe, mit der der Patient/Klient/Bewohner den häufigsten Kontakt hat. Die Pflege ist für den Kranken ein Grundbedürfnis und steht in ihrer Bedeutung gleichwertig neben Diagnostik und Therapie. Durch individuelle Pflege und psychosoziale Betreuung leistet der Pflegedienst einen wesentlichen Beitrag zu Genesung und Wohlbefinden. Das examinierte Pflegepersonal sowie die Auszubildenden der Kranken-/ Altenpflegeschule orientieren sich mit fachlicher Kompetenz, Einfühlungsvermögen und persönlichem Engagement an den Bedürfnissen der Patienten/Klienten/Bewohner . Das Pflegepersonal begrüsst die Mitarbeit des Patienten und ist gerne bereit, seine Angehörigen oder Freunde mit einzubeziehen. Der Ansatz des pflegerischen Handelns ist die Wahrung und Wiederherstellung der Selbstständigkeit.

Parallel zur medizinischen Versorgung will der Patient/Klient/Bewohner orientierte Pflege überall dort unterstützen, wo er alltägliche Dinge wie z.B. Waschen, Kleiden, Bewegen und Ernährung nicht mehr ohne Hilfe erledigen kann. Sie richtet sich nach dem individuellen Maß der Hilfsbedürftigkeit und will Linderung und Erleichterung verschaffen, zugleich aber auch weitestgehend die Eigenständigkeit des Patienten erhalten und fördern. Für eine aktivierende Pflege hat die Hilfe zur Selbsthilfe und die Stärkung vorhandener Ressourcen stets oberste Priorität

Ängste nehmen - Vertrauen schaffen

Die Vorstellung, auf Pflege angewiesen zu sein, ist mit vielen Ängsten verbunden. Die Menschen fürchten sich vor Krankheit und dem Verlust der Mobilität. Hinzu kommt die große Sorge, die eigenen Bedürfnisse und Gewohnheiten einschränken zu müssen. Diesen Ängsten und Nöten gilt es auf ehrliche und offene Weise zu begegnen.

Pflege bedeutet Ganzheitliche Pflege.Körper, Geist und Seele sind eine Einheit und werden als Ganzes behandelt. Ganzheitliche Pflege kann nur in Form der Bezugspflege durchgeführt werden Bezugspflege ist ein Patientenorientiertes Pflegesystem. Das heißt, eine Pflegeperson läßt sich auf einen Patienten ein. Diese Beziehung beinhaltet zu allererst eine Zuständigkeit und Verantwortlichkeit für die zu betreuenden Patienten. Pflege, die nicht zugleich auch Beziehungspflege ist, verzichtet darauf ihre Möglichkeiten zu nutzen. Die pflegerische Beziehungsgestaltung dient der Aufgabe, den Patienten für die Mitarbeit an seiner Genesung zu gewinnen.

Die Voraussetzung dafür sind, daß der Patient sich so wohl wie möglich fühlt und Vertrauen in die ihn Behandelnden und Pflegenden hat. Erst das Herstellen einer konstruktiven (guten, tragfähigen, hilfreichen) Beziehung schafft die sozialen (zwischenmenschlichen) Rahmenbedingungen, durch die Pflegeziele erreicht werden können. Die Gefahr dabei ist, daß man sich zu sehr auf den Patienten einläßt und dieser einen ganz einvernimmt. Das bedeutet: Der Patient gibt jegliche Verantwortung an den Pflegenden ab.

Welche Mittel stehen uns nun zur Verfügung um einen Pflege- und damit Beziehungsprozeß zu gestalten?

Wie bereits o.a. ist dies in erster Linie die Kommunikation. Bekannterweise unterscheiden wir dabei eine verbale und einen nonverbale Form der Kommunikation, wobei 80% der gesamten Kommunikation über nonverbale Formen, (Gestik, Mimik, Lautstärke, Tonfall, Aussehen, etc.) ablaufen. Ich möchte diesen beiden Kommunikationsformen allerdings, bezogen auf die Gestaltung von Beziehungsprozessen noch eine dritte hinzufügen und diese mit dem Wort "Soziale Kommunikation" umreißen. Damit meine ich in erster Linie die unmittelbare, im Moment vorhandene Umwelt des betreffenden Menschen. Auch diese lässt sich nämlich bewusst gestalten, so wie man in der verbalen Kommunikation bewusst bestimmte Worte oder in der nonverbalen Kommunikation bewusst bestimmte Gesten einsetzen kann, um bei den betreffenden Kommunikationspartner eine bestimmte Reaktion hervorzurufen. So ist es nicht nur wesentlich, welche Sprache oder in welcher Stimmlage mit dem Patienten gesprochen wird, sondern auch wer mit ihm spricht, in welchem zeitlichen Rahmen dies geschieht und an welchem Ort dieses Gespräch stattfindet. Dabei sind allerdings nicht fixe und für alle gültige Standards festlegbar, sondern von Patient zu Patient unterschiedliche individuelle und situationsbedingte Kriterien entscheidend.

Dies wiederum bedingt aber, dass ich den Patienten und seine Eigenheiten, seine Geschichte, seine Ängste, seine Grenzen, Ansprüche, Ansprechbarkeiten, Abneigungen, Vorlieben, etc. kenne, bzw. bereit bin, kennen zu lernen. Oder anders ausgedrückt: Um eine wirk-liche Beziehung zu einem Menschen aufzunehmen und zu gestalten, muss ich bereit sein, diesen Menschen in seiner umfassenden Ganzheit wahr-zunehmen.

Grundlage jeder Beziehung ist Kommunikation und Kommunikation ist immer evident, auch dann wenn sie nicht gewollt wird. Man kann nicht Nicht-kommunizieren. Das heißt aber, dass ich dem Patienten in jedem Fall etwas mitteile, egal ob ich mit ihm spreche oder nicht. Tatsächlich verhält es sich so, dass ich über Kommunikation Beziehungsprozesse steuern kann. Vielleicht ist dies für die Röntgenassistentin oder die Sekretärin in der Aufnahmekanzlei weniger wichtig (ich wage es zu bezweifeln), als für die einzelnen Vertreter des therapeutischen (und damit pflegerischen) Teams,- für die Krankenpflege ist Kommunikation und damit gezielte Steuerung der Beziehungsprozesse allerdings das wichtigste Werkzeug.

Das heißt natürlich, dass ich mir dazu Zeit nehmen muss, etwas, von dem ständig behauptet wird, man hätte sie nicht.

Wenn die Pflegenden durch dieses System eine Beziehung zum Patienten aufgenommen haben, die sich

  • auf das richtige Maß von Nähe und Distanz,
  • fachliches Wissen und Können,
  • Interesse am und Zuwendung zum Patienten,
  • die Akzeptanz des Patienten als Partner,
  • Verantwortungsgefühl, -bereitschaft, und -übernahme sowie
  • die Einbeziehung des Patienten und seines sozialen Umfeldes(Angehörige) in die Pflege

Zusammenfassung

  • Ich habe in jedem Fall eine Beziehung zum Patienten
  • Diese Beziehung ist immer ein Prozess oder nicht evident
  • Beziehungsprozesse werden durch Kommunikation gesteuert
  • Ich kommuniziere immer mit dem Patienten und der Patient immer mit mir
  • Die Qualität meiner Kommunikation bestimmt die Qualität meiner Beziehung
  • Die Qualität meiner Beziehung zum Patienten bestimmt die Qualität meiner Pflege
  • Aktive Gestaltung des Pflegeprozesses ist aktive Gestaltung des Beziehungsprozesses

siehe auch