Unter der Überschrift "Wenn die Alten zur Last werden..." befasst sich die Titelgeschichte einer großen deutschen Wochenzeitung mit dem Thema Gewalt in der häuslichen Pflege. Aus verschiedenen Blickwinkeln geht die Zeitung auf das Thema der Gewalt durch pflegende Angehörige ein: Die Zeit Nr. 22/2008 S. 1 und S. 33 - 35 vom 21. Mai 2008

Die einzelnen Beiträge:

  • Wenn aus Liebe Wut wird dann sind ihre Angehörigen mit der Pflege oft so überfordert, dass sie gewalttätig werden. Und niemand spricht darüber. Schlägt der Frust in Aggression um, wird die Familie für die Alten zur Gefahr. Stephan Lebert, S. 33 bis 34.
Textauszug: "Irgendwann kommt der Zusammenbruch. Marion Steiger, Mitte fünfzig, sitzt in ihrer Münchner Küche und erzählt von ihrer Mutter, von ..."
Lebert setzt sich darin auch ausführlich mit der Arbeit Fusseks aus einander.
Der Staat ist mit der Pflege der Alten genauso überfordert wie die Familie. Deshalb brauchen wir neue Wohn- und Lebensentwürfe. […] »
Textauszug: " Mehr als eine Million Leser hat in den vergangenen Jahren den Niedergang der Familie Lambert verfolgt – eine traurige ....
So sollten sich private Wohnprojekte leichter als GmbH registrieren lassen können; das würde es ihnen ermöglichen, als Arbeitgeber aufzutreten und selbst Pflegekräfte anzustellen, was vor allem steuerliche Vorteile hätte.


  • Bitterkeit und Zorn. Sabine Borngräber - Seite 35
Sie sind nicht nur Opfer. Auch von alten Menschen selbst geht Gewalt aus. Demenzkranke beschimpfen, schlagen oder beißen ihre Pfleger. Neue Pflegekonzepte sollen helfen. Textauszüge: "Demenz ist die häufigste Ursache dafür, dass alte Menschen ihre Selbstständigkeit verlieren. Die Anzahl der Erkrankten wird sich – ..."
... »Aber obwohl es heute immer mehr Demenzkranke gibt, wird der angemessene Umgang mit ihnen während der Pflegeausbildung nicht genügend gelehrt«, sagt die Pflegewissenschaftlerin Sabine Bartholomeyczik ....


  • Krisenintervention – Was macht Patienten wütend? Wie schützt man Pfleger vor Überlastung? Fragen an den Münchner Psychiater und Demenz-Experten Hans Förstl" (s.u.).
Textauszug: "Demente Patienten wissen oft nicht mehr, wo sie sind, und erkennen mitunter ihre Angehörigen nicht. Stellen Sie sich ..." (Seite 35)

Umgang mit den Alten - Umgang mit dem Sterben

Stephan Lebert läßt die Mittfünfzigerin Marion Steiger von ihrer Mutter erzählen, einer stolzen, immer ein wenig kühlen Frau. Ihr Mann sagte, „sie kümmere sich zu viel um ihre Mutter." ... rutschte der Tochter die Hand aus. ... aber ich liebe meine Mutter. ... und musste ihre Mutter am Ende doch in ein Pflegeheim geben, wieder mit schlimmsten Gewissenskonflikten.

Oder die Geschichte von Frau Maurers Mutter. Den Nachbarn war aufgefallen, dass es in letzter Zeit öfter laut geworden war. Die Türen öffnen sich nur selten – zum Beispiel für den Notarzt.

Michael de Ridders, einem Notarzt, drastische Schilderungen aus dem Buch von Claus Fussek und Gottlob Schober sind keine Einzelfälle. Der Berliner Kriminaldirektor Hans-Joachim Blume spricht von diesen Angehörigen, die nichts leugnen und nicht lügen: „Sie sind total überfordert, und viele haben ein schrecklich schlechtes Gewissen. Es ist das blanke Elend.“ Aber das kollektive Wegschauen bei der Altenpflege funktioniere immer noch.

Der Prozentsatz an Opfern häuslicher Gewalt sei erheblich, wenn man nur die über 75-Jährigen betrachte (WHO-Studie).

Thomas Görgen vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen wird in diesem Sommer eine umfassende Studie vorstellen (2008).

Claus Fussek provoziert und wird von Jahr zu Jahr zorniger. Als das Telefon für einen Moment still ist, sagt er: „Wissen Sie, was die Wahrheit ist? Es ist Krieg. Wir führen Krieg gegen die alten Menschen in diesem Land: Nein, nein, das sei keine Übertreibung, es gehe nicht um eine moralische Luxusfrage, wie herzlich oder weniger herzlich der Umgang mit den Alten sei, es gehe um rein existenzielle Dinge: um das Essen, das Trinken, um die Möglichkeit, regelmäßig auf die Toilette zu gehen, und darum, nicht geschlagen zu werden.“


Lebert fragt auch, warum sich diese Gesellschaft gegen die Beschäftigung mit dem Tod, dem Sichersten in jedem Lebenslauf, wehrt.

Krisenintervention

Förstl antwortet u. a. auf Fragen wie Warum werden Demente aggressiv? Warum werden Angehörige aggressiv? Sind solche aggressiven Ausbrüche häufig?

Förstl: „Sie sind nicht selten. Bei schätzungsweise einem Drittel der Patienten können zeitweise starke Probleme mit der geordneten Wahrnehmung, Reizbarkeit und Aggressivität auftreten.“

„... sobald eine Situation wiederkehrt, die früher schon zu verbaler oder körperlicher Gewalt geführt hat, wird es brenzlig.“

Wenn die/der Pflegende selbst erschöpft und verzweifelt ist, kann die Sache eskalieren. Z. B. Schlafentzug.

Wie lässt sich diese Situation entschärfen? Wann ist der Einsatz von Pflegepersonal oder die Überweisung in ein Pflegeheim sinnvoll?


Diskussionen darüber

Diskussionen darüber haben sich zum Teil auf der Website der Zeitschrift ergeben, die zum Teil mit Unverständnis auf die Angehörigen reagieren. Zum Teil wird "dem Staat" der Vorwurf gemacht, pflegende Angehörige nicht ausreichend zu unterstützen.

Siehe auch, Weblinks

Weblinks:


Krisentelefone - Not-Telefon bei Mißhandlung in der Altenpflege
  • aber auch die örtliche Heimaufsicht kann sehr oft helfen, da sie über Unterstützungsmöglichkeitein vor Ort weiß.
  • im Notfall muss aber auch jede Polizeidienststelle versuchen weiter zu helfen. (Wird genannt gegen das Argument, dass da eh nichts getan werden kann.)


Sonstige