Theorie

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Unter einer Theorie versteht man die Gesamtheit von logisch zusammenhängenden (und vor allem) unbestreitbaren Aussagen über ein Phänomen. Theorien sind so formuliert, dass jederzeit nachgeprüft werden kann, ob die jeweilige Aussage zutrifft.

Einteilung von Theorien

Es existieren unzählige Theorien. Auch für die Pflege gibt es eine Vielzahl an Theorien, die unsere tägliche Arbeit erleichtern. Theorien aller Art sind wichtig für die Pflege, denn nur mit theoretischem Hintergrundwissen können Pflegekräfte ihre Arbeit überhaupt erst professionell planen, strukturieren, durchführen und bewerten. Da es so viele verschiedene Theorien zu den unterschiedlichsten Pflegethemen gibt macht es Sinn, Theorien zu kategorisieren (einzuteilen).

Einteilung nach dem Wahrheitsgehalt

  1. richtig - Die Theorie wurde an der Wirklichkeit überprüft, und stellte sich als richtig heraus
  2. falsch - Die Theorie wurde an der Wirklichkeit überprüft, und stellte sich als falsch heraus


Einteilung nach der Genese (Entstehung)

  1. Alltagserfahrung - Die Theorie wurde unsystematisch durch "Erlebnis(se) im Alltag" aufgestellt.
  2. Wissenschaft - Die Theorie wurde mit wissenschaftlichen Methoden (Forschung) aufgestellt.


Einteilung nach der Funktion

Die Definition der Funktion hängt ab von den wissenschaftstheoretischen Voraussetzungen einer Theorie. Am weitesten verbreitet ist die vierfache Funktionsbestimmung im Sinne der empirischen Wissenschaft:

  1. beschreibend - Die Theorie beschreibt auf der Grundlage wiederholter Beobachtungen ein bestimmtes Phänomen (vgl. Pflegedokumentation)
  2. erklärend - Die Theorie erklärt ein Phänomen (Erkennungsmerkmal: "wenn x - dann y")
  3. prognostizierend - Die Theorie macht eine Vorhersage (Erkennungsmerkmal: "'wenn x - dann y' gilt für ein zukünftig auftretendes y")
  4. vorschreibend - Die Theorie macht (Verhaltens-)Vorschriften (vgl. Die 10 Gebote, Notfallverhalten)

Dabei stammen die wissenschaftstheoretischen Voraussetzungen aus Empirismus, Positivismus oder Falsifikationismus.

Andere Sichtweisen ergeben sich beispielsweise

a) im Rückgriff auf die Kritische Theorie:

  1. kritisierend - Die Theorie kritisiert an anderen zeitgenössischen Theorien oder an gesellschaftlichen Praktiken und Deutungen, inwiefern in einem bestimmten beruflichen oder anderen gesellschaftlichen Bereich dem Einzelnen nur scheinbar die Möglichkeit gegeben ist, sich selbst zu verwirklichen;
  2. aufklärend - Die Theorie trägt mit ihrer Kritik zur Aufklärung und zur mündigen, selbst bestimmten Lebensführung des Einzelnen mit den anderen Mitgliedern einer Gesellschaft bei;


b) im Rückgriff auf die Hermeneutik:

  1. verstehend - Die Theorie macht durch ausdrückliche Interpretation Zusammenhänge verständlich, in denen sich Menschen bewegen und die sie unterschiedlich mit Bedeutung und Sinn füllen, indem sie je andere geschichtlich gewachsene Verhaltens- bzw. Denkgewohnheiten - meistens unbewusst - vollziehen und pflegen;


c) im Rückgriff auf feministische Ansätze;
Es gibt keine einheitliche Bestimmung der Funktion von Theorie bei feministischen Denkern und Denkerinnen.

Einteilung nach der Reichweite (Abstraktionsniveau)

Datei:Theorie Reichweite 01.jpg
Einteilung nach der Reichweite
  1. Mikrotheorien, auch "praktische oder situationsspeziefische Theorien" genannt
    Mikrotheorien konzentrieren sich auf ein spezifisches Pflegephänomen, spiegeln die klinische Praxis wider und beschränken sich auf eine bestimmte Praxissituation und/oder eine bestimmte Bevölkerungsgruppe.
  2. Theorien mittlerer Reichweite fassen mehrere Praxissituationen zu einem Praxisgebiet zusammen, und machen abstraktere Aussagen zu Phänomenen, Verhaltensweisen und Praxisgebieten.
  3. Haupttheorien, auch "Große Theorien (grand theories)" genannt, sind die abstraktesten Theorien, und haben die "weiteste Sicht" (Perspektive) auf Pflege. Haupttheorien geben das Wesen der Pflege wieder. Sie beschäftigen sich mit Aussagen über allgemeine Ziele und den allgemeinen Auftrag von Pflege.
    • vgl: Krohwinkels AEDLs: Pflegebedarf entsteht, wenn das "Funktionieren im Alltag" eingeschränkt ist (...). Das Funktionieren im Alltag besteht aus: "1.kommunizieren, 2. sich bewegen ... (...) 13. mit existentiellen Erfahrungen umgehen"
    • oder andere TheroretikerInnen wie Roper, Orem, Henderson. )

siehe auch