Tiergestützte Humanpflege® ist eine eigenständige Sparte der Arbeit mit Tieren im Gesundheits- und Sozialwesen, die ausschließlich von examinierten Pflegefachkräften (Gesundheits- und Krankenpfleger/innen,Gesundheits- und Kinderkranken-pfleger/innen, Altenpfleger /innen, Heilerziehungspfleger/innen) ausgeübt wird.

Allgemeines zur Tiergestützten Arbeit

Dass Tiere Menschen gut tun, wusste bereits Walther von der Vogelweide im 13. Jahrhundert. Wahrscheinlich würde man bei intensiver Recherche auch ein Zitat aus der Antike finden, mit dem zu belegen ist, dass bereits Griechen und Römer zu dieser Erkenntnis gelangt sind.

Die neueren Experimente und Forschungen zur gesundheitsfördernden Wirkung von Tieren auf Menschen stammen aus den sechziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts und wurden überwiegend in den USA durchgeführt.

Inzwischen ist die positive Wirkung von Tieren auf Menschen durch zahlreiche Studien wissenschaftlich nachgewiesen. Die Wirkung ist sowohl physischer als auch psychischer und sozialer Natur. Physisch können Tiere blutdruck- und Puls senkend, psychisch beruhigend, aber auch motivierend, sozial, indem sie die Kommunikation fördern, wirken.

War die tiergestützte Arbeit bislang meist auf Ärzte und Therapeuten beschränkt, so hat sich inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Berufsgruppe, die den Patienten bzw. Bewohnern 24 Stunden am Tag an sieben Tagen pro Woche am nächsten ist, deren Bedürfnisse und Wünsche hautnah miterlebt, nämlich die Pflegekräfte ebenfalls erfolgreich und nutzbringend für den Patienten/Bewohner Tiere bei ihrer täglichen Arbeit einsetzen können.

Berufsbild der Pflegeberufe

Das traditionelle Bild der Pflegeberufe (satt, sauber, warm) entspricht bei weitem nicht mehr ihren aktuellen Ausbildungsinhalten. Natürlich gehören die Sicherstellung der Grundbedürfnisse der Patienten eines Krankenhauses bzw. der Bewohner von Senioren- und Behinderteneinrichtungen sowie die Behandlungspflege (Medikamentenverabreichung, Verbände anlegen) nach wie vor zu den Aufgaben der Pflegekräfte. Mehr dazu: Pflege heute

Ein wichtiger, bislang noch viel zu wenig beachteter Bestandteil der Pflege ist die Gesundheitsprävention, d.h. die Erhaltung der Gesundheit der zu Pflegenden durch pflegerische Maßnahmen. Ebenso wichtig ist die aktivierende Pflege, d.h. eine Pflege, die den zu Pflegenden dazu motiviert, seine eigenen Fähigkeiten wieder zu entdecken und zu nutzen.

Die Gesundheits-/ und Krankenpflege: „Gesundheitsförderung, Pflege und Betreuung als ganzheitlichen Prozess auf Grundlage körperlicher, psychischer, kultureller und aktivierender Begleitung mit dem Ziel, die größtmögliche Selbständigkeit des Menschen zu erhalten“

Tiergestützte Humanpflege®

Tiere in der Pflege rufen häufig zunächst Ablehnung und Unverständnis hervor. Insbesondere werden gerne hygienische Bedenken erhoben. Dafür gibt es jedoch keinen Grund, wenn die erforderlichen Verhaltensmaßnahmen wie regelmäßige Impfung und Entwurmung eingehalten werden.

Prädestiniert für den Einsatz von Tieren sind insbesondere psychiatrische und neurologische Krankenhausabteilungen sowie Rehabilitations-, Senioren- und Behinderteneinrichtungen.

Die Zielsetzungen der Tiergestützten Humanpflege®

Motorischer Bereich

  • Förderung der grobmotorischen und feinmotorischen Fähigkeiten
  • Förderung der Koordination
  • Förderung der Bewegungsfähigkeit
  • Entgegenwirken von motorischen Unruhezuständen

Bereich der Wahrnehmung:

  • Förderung der Körperwahrnehmung
  • Förderung der Sinneswahrnehmungen (visuell, auditiv, olfaktorisch, taktil)
  • Verbesserung des Appetits
  • Verbesserung der Aufmerksamkeit
  • Verbesserung der Konzentration

Sozialer Bereich:

  • Förderung der Kontaktbereitschaft
  • Förderung der Kooperationsfähigkeit
  • Akzeptanz vereinbarter Regeln

Bereich der Persönlichkeitsentwicklung:

  • Förderung der Motivation
  • Förderung des Selbstkonzeptes (Ich-Identität)
  • Förderung der Selbstständigkeit
  • Förderung der Handlungskompetenz
  • Förderung der Eigenverantwortlichkeit
  • Förderung der Aufnahmebereitschaft
  • Stärkung des Selbstwertgefühls

Bereich der Kognition:

  • Förderung der Strukturierungsfähigkeit
  • Förderung des erkennenden, vorstellenden, bewusstmachenden,vorausschauenden Denkens
  • Förderung der Sprache/Kommunikation

Bereich der Neurologie / Neurophysiologie:

Positive Beeinflussung von:

  • Spastiken
  • Muskulären Hypotonien
  • Myoklonien
  • Dystonien

Die Förderungsbereiche gründen u.a. im Pflegemodell von Nancy Roper. Die Tiere werden innerhalb der Ressourcenförderung im Sinne der ATL eingesetzt.

Ausarbeitung von C. Dieckmann Fachschwester für Anästhesie und Intensivmedizin Praxisbegleiterin für Basale Stimulation® in der Pflege Weiterbildungsteilnehmerin tiergestützte Humanpflege® Kurs 2008/2009

Tiergestützte Humanpflege® versteht sich als ein Konzept. Es soll im Rahmenmodell des ganzheitlich- fördernden Pflegeprozesses (z. B. AED"s) seinen Platz finden.

Insofern ist die tiergestützte Arbeit in der Pflege keine Behandlung des kranken Menschen, sondern eine Variante der Präventions- und Gesundheitsfördermaßnahmen für den Menschen in seiner individuellen und aktuellen Lebenssituation.

Literatur

Die Schwester Der Pfleger 10/2009, .884 …………..

Interne Links


Weblinks

  • Socius-animalis: [1]
  • Tiergeschützte-Therapie: [2]