Die Arbeit in Krankenhäusern und Pflegeheimen ist geprägt von hoher Arbeitsdichte und großer Verantwortung für die Patienten. Ein erheblicher Teil der Arbeitszeit wird für die Sortierung und Ausgabe der Medikamente aufgewendet.[1]

Die volle Wirksamkeit einer Medikation ist von deren dosis- und zeitgerechter Applikation (Verabreichung) abhängig. In den stationären Einrichtungen (Krankenhaus, Pflegeheim) ist die Portionierung und Ausgabe von Medikamenten an die Patienten, oft noch eine Tätigkeit der professionell Pflegenden: Dieser Personenkreis sichert die dosis- und zeitgerechte Einnahme, veranlasst (im Falle von Zustandveränderungen) kurzfristig nötige Therapieänderungen in Absprache mit den Medizinern. Besonders in der Intensivmedizin und Intensivpflege ist das eine Grundvoraussetzung für eine effektive medikamentöse Therapie. Siehe auch: Medikamente richten, 5R-Regel

Kernstück des neuen Unit-Dose Konzeptes sind die patientenindividuelle Verpackung aller Arzneimittelformen (Kommissionierautomat) in Kombination mit der Direktbelieferung der Stationen durch die Klinikapotheke.


Die aktuelle Situation

Im Krankenhaus ist eine mit dem Alter der Kranken zunehmende Assistenz der Medikamenteneinnahme durch die Pflegefachkräfte unabdingbar, denn unsere alten Patientinnen und Patienten vergessen schon mal die Einnahme. Für viele körperlich und psychisch eingeschränkte Kranke ist es unmöglich, die Blisterverpackungen selbständig zu öffnen.

Ein weiteres Problem ergibt sich aus der Tatsache, dass die Kliniken grundsätzlich ihre eigenen Firmen „listen“ (Arzneimittelliste). Die kranken Damen und Herren vermissen dann auf der Station die ihnen bekannten Medikamente. In diesen Fällen bewährt sich die Arzneimittelanamnese: Innerhalb dieser Vorgehensweise werden die Neuaufnahmen (möglich noch während der Aufnahmeprozedur) durch eine Apothekerin bzw. einen Apotheker auf die „hauseigenen“ Medikamente umgestellt. Gleichzeitig werden Inkompatibilitäten geprüft und die Betroffenen auf eventuelle Unverträglichkeiten mit Nahrungsmittel hingewiesen.

Kliniken die bereits mit dem Unit-Dose System arbeiten haben unterschiedliche Erfahrungen: Die Praxis zeigt, dass auf den Krankenstationen dann nicht mehr die Einnahme der Arzneimittel überprüft wird. Dieses Vorgehen ist falsch: Auch innerhalb des Unit-Dose Systems, muss die Zuordnung der Arzneimittel und die Eingabe derer bei Schwerkranken, Dementen auch weiterhin durch den Pflegedienst garantiert werden.

Unit-Dose System

Innerhalb dieses Systems werden oral zu verabreichende Arzneimittel (abzüglich der flüssigen Zubereitungen) direkt durch die Apotheke für den einzelnen Patienten zusammengestellt und auf die Stationen geliefert. Die Belieferung der Normalstationen erfolgt in der Regel einmal täglich. Die Belieferung der Intensivstationen und Kinderstationen sollte mindestens zweimal täglich (auch an den Wochenenden und Feiertagen) erfolgen.

Die Versorgung mit einzeln abgepackten Medikamenten (Unit-Dose Versorgung) ist eine „Gesamtlösung aus elektronischer Verschreibung mit Dosier- und Interaktionsprüfung, automatisierter Patientenbezogener Kommissionierung von Einzeldosen und IT- / Barcode-gestützter Verabreichungsdokumentation“ (…) „Die Potenziale der Unit- Dose Versorgung liegen in der Erhöhung der Arzneimittel- und Patientensicherheit, in der Verbesserung von Arzneimitteltherapien, in der Transparenz von Fallkosten und nicht zuletzt in der möglichen Senkung des Arzneimittelbudgets um bis zu 15 Prozent“ [2] Dazu gehört die entsprechende Ablauforganisation.

Praktische Erfahrungen

Das Unit-Dose System wird in der Regel in der Chirurgie positiv aufgenommen. In der Inneren Medizin ist der Einstieg schwierig, auch durch die drastische Zunahme der alten und teilweise auch dementen (Demenz) Patienten. Diese vergessen ganz einfach die Einnahme, bekommen infolge haptischer Störungen die Tabletten nicht aus dem Blister, oder können die Beschriftung nicht entziffern. In diesen Fällen ist es auch weiterhin erforderlich, dass die Pflegenden die dosis- und zeitgerechte Einnahme der Arzneimittel kontrollieren. Damit konterkariert sich in vielen Fällen das System selbst.

In der Intensivmedizin ist die Häufigkeit der Therapieänderungen das Hindernis bezüglich einer zentralen Versorgung. Trotzdem gibt es Fälle, in denen es gelang. [3] Eines bleibt: Die Therapie ist weiterhin Aufgabe der Ärztinnen und Ärzte. Den Pflegefachkräften bleibt letztendlich, trotz aller Technisierung, die Kontrolle der Compliance der Patienten bezüglich der Medikamenteneinnahme.

Stellungnahme des DBfK: Die Verblisterung der Arzneimittel wirft in der Pflegepraxis viele Fragen auf und birgt Unsicherheiten. Jeder Entscheidungsträger ist angehalten, bevor eine Änderung des Medikamentenmanagements in Betracht gezogen wird, einige wesentliche Faktoren zu berücksichtigen und Argumentationen kritisch zu hinterfragen. Der DBfK hat deshalb dieses Thema aufgegriffen und die wesentlichen Aspekte gegenübergestellt, um eine individuelle Einschätzung und Entscheidung zu erleichtern. Zur Entscheidungshilfe klick hier: [1]

Quellen

Weblinks

Siehe auch