Lebenserwartung

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Unter der Lebenserwartung einer Person versteht man in der Gerontologie meistens die "durchschnittliche" voraussichtliche restliche Lebenszeit (Restlebenszeit) einer Person. Diese Lebenserwartung wird wie eine Kennziffer in Jahren oder Monaten angegeben. Diese weitere Lebensdauer lässt sich allgemein (also für viele ältere Menschen dieses Alters) für frühere Generationen statistisch recht genau beziffern.

Individuell ist es aber eine sehr ungenaue Prognose, die auf der Berücksichtigung verschiedener Risikofaktoren und Lebensgewohnheiten oder der Lebenslage errechnet werden kann. Sie hat dann aber keine Verbindlichkeit, wenn sich diese angenommenen Voraussetzungen bei den nun lebenden Personen anders als früher entwickeln. Sie ist nur eine statistische Aussage über eine mögliche Entwicklung (Prognose).

Lebenserwartung in der BRD (Zahlen von 2009)

Das Statistische Bundesamt der BRD (destatis.de) hat die neusten Berechnungen mit Zahlen aus den Jahren 2007-2009 dazu am 4. November 2010 mitgeteilt.

Die Durchschnittliche Lebenserwartung (und die fernere L. nach ausgewählten Altersstufen) wird auf Grund der Sterbetafeln, d.h. echter Todesfälle pro Geburtsjahrgang, so prognostiziert:


Bei Geburt heute (also eine komplette Schätzzahl ! ) für

Knaben 77,34 Jahre
Mädchen 82,53 Jahre


Bei erreichtem 60. Lj. (also etwa die Jahrgänge ab 1950)

…fernere Lebenserwartung für
Männer 21,04 Jahre (= 81,04)
Frauen

 24,81 Jahre (= 84,81)

Mä-Fr-Unterschied Ø 3,77 Jahre


Bei erreichtem 80. Lj. (also etwa die 50 Prozent der noch Lebenden der Jahrgänge ab 1930)

…fernere Lebenserwartung für
Männer 7,67 Jahre (= 87,67)
Frauen

 9,04 Jahre (= 89,04)

Mä-Fr-Unterschied Ø 1,37 Jahre


Übrigens zum Vergleich, die entsprechenden Zahlen vor 140 Jahren lagen bei neugeborenen Jungen bei 35 Jahren und 7 Monaten. Neugeborene Mädchen hatten damals eine durchschnittlichen Lebenserwartung von 38 Jahren und 5 Monaten.

Zur Begrifflichkeit

Unter Lebenserwartung kann man auch verstehen:

  • wahrscheinliche Überlebensdauer nach einer geplanten Operation oder bei einer bestimmten Krankheit. In der Medizin ist der Fachbegriff dafür: Prognose. Diese Prognose ist im Fall einzelner Personen fast immer mit einer hohen Unsicherheit (aufgrund der Band- bzw. Schwankungsbreite der jeweiligen Erkrankung) verbunden.
  • die durchschnittliche Lebenserwartung in einer gegenwärtig lebenden Bevölkerung
  • die durchschnittliche Lebenserwartung in einer bereits vollständig verstorbenen Bevölkerungsgruppe (z. B. alle Hessen mit dem Geburtsjahrgang 1895)
  • oder auch die jeweilige maximale Lebensdauer, die in diesen Gruppen erreicht wurde oder wahrscheinlich erreichbar ist.

Der Begriff muss also jeweils so klar beschrieben werden, was genau gemeint oder gefragt wird. Auf vieles davon lässt sich nur im Rahmen der statistischen Wahrscheinlichkeit antworten.

Der Begriff Lebenserwartung wird manchmal auch auf Tiere und Dinge (z.B. PKW) angewendet.

Übertragen wird das Wort Methusalem auch in der Geronto-Biologie gebraucht: Wettbewerb für die Methusalem-Maus. Dahinter steckt ein ernstzunehmender wissenschaftlicher Wettbewerb für Leistungen, die dazu beitragen, das Leben einer Labor-Maus (Mus musculus) wesentlich zu verlängern. Damit wird die Hoffnung verknüpft, dass sich so ein Erfolg dann später auch auf Menschen übertragen lässt. Vgl. weiter unten Methusalem-Gen.

Beeinflussende Faktoren

Senior im Sessel vor seinem Kamin

Die Lebenserwartung ist von vielen verschiedenen Faktoren abhängig, welche untereinander in Wechselwirkung stehen können:

Dass das bereits erreichte Alter ein Indikator für die noch zu erwartende Restlebenszeit ist, ist klar. Darüber hinaus gibt es aber geschlechterspezifische Unterschiede. Frauen haben, bei gleichem Alter, eine höhere Lebenserwartung. Dies ist statistisch nachgewiesen.

Besonders komplex ist der Einfluss der Lebensgewohnheiten, da hier die meisten Wechselwirkungen auftreten und die Einflüsse lebensverkürzend als auch lebensverlängernd sein können. Forschungsergebnisse liefert dazu die Epidemiologie.

An der Spitze der lebensverkürzenden Einflüsse steht das Rauchen, dicht gefolgt vom Alkoholkonsum. In Kombination verstärken sich diese Einflüsse gegenseitig. Andererseits gibt es medizinische Studien, die zeigen, dass ein mäßiger Alkoholkonsum lebensverlängernd wirken kann. Eine eindeutige physiologische Deutung gibt es noch nicht. Aktuell ist Rotwein der Renner unter den Pharmalkoholika, bzw. der darin enthaltene Farbstoff (somit wäre auch alkoholfreier roter Traubensaft lebensverlängernd). Aber auch dem Bier wurden schon viele gesundheitsfördernde Eigenschaften nachgesagt. Man muss hier auf die Grenze zwischen Interessengruppen (Konsumenten und Produzenten) einerseits und wissenschaftlich Forschenden andererseits achten, um solche Aussagen bewerten zu können.

Ganz anders sieht es beim Rauchen aus. Auch bei mäßigem Konsum gibt es keinen Hinweis auf eine positive Wirkung, trotzdem können auch starke Raucher ein hohes Lebensalter erreichen (prominentes Beispiel: der ehemalige deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt).

Methusalem oder das Methusalem-Gen?

Methusalem gilt als Begriff für enorm hohes Lebensalter (Ältester Mensch). Er stammt als Name aus der Bibel (5. Buch Mose). Methusalem wird in einer Genealogie des Volkes Israel eine „ganze Lebenszeit von 969 Jahren“ zugeschrieben. Sonst wissen wir konkret nichts über ihn.

Damit verknüpft wird die Frage nach einer Maximalen Lebensdauer. Kann sie genetisch bedingt oder genetisch beeinflusst werden? Zur Zeit ist das Methusalem-Gen wissenschaftlich nicht bewiesen, also unklar. Seine Existenz, zumindest als einzelnes Gen, ist eher unwahrscheinlich als wahrscheinlich.

Die Hoffnung darauf beflügelt aber seit alters her die Phantasie oder Hoffnung vieler Menschen. Warum das so ist? Für manch einen ist das dann wieder eine Frage an die (Tiefen-)Psychologie. Für andere ist es ein Beweis dafür, dass dem Menschen die "Ewigkeit ins Herz gelegt ist".

Methusalem nicht verwechseln mit Hiobs Klagen über Krankheit und seine zu lange Lebensdauer in der Bibel. Eine sehr bekannte Stelle für ein subjektives negatives Altersbild.

Biologische Begrenzung?

Gibt es auf die Frage Wie alt kann ein Mensch überhaupt werden – gibt es eine unverrückbare biologische Grenze? überhaupt Antworten?

Ja. Wie alt die Spezies wird, ist sehr wahrscheinlich genetisch durch die Zellteilungs-Möglichkeiten festgelegt. Beim Menschen liegt die Grenze bei etwas über 120 Jahren. Der dokumentiert älteste Mensch, die Französin Jeanne Calment, ist im 123. Lebensjahr gestorben. Aber im Durchschnitt der Höchstaltrigen werden Frauen kaum älter als 116 und Männer selten älter als 110 Jahre. Das ist immerhin wesentlich höher als die durchschnittliche Lebenserwartung, die die Menschen in Andorra mit 83,5 Jahren knapp gefolgt von Japan haben, die geringste Lebenserwartung hat das afrikanische Land Swasiland mit 34,1 Jahren (jeweils Frauen und Männer gemischt). Dies ist kein Beweis dafür, dass mit diesem Alter die Zellen ihre Arbeit einstellen, denn diese unterschiedlichen Zahlen hängen mit dem unterschiedlich hohen Anteil der Kindersterblichkeit an der Zusammensetzung der Bevölkerung in den einzelnen Ländern zusammen. Es ist nur eine offensichtlich zutreffende Vermutung der Biologen (aufgrund von Beobachtung), weil andere Lebewesen wesentlich älter werden können (aber es gibt ja auch kurzlebigere). Im Gegensatz zur maximalen Grenze gibt es noch den Ausdruck der Langlebigkeit.

Langlebigkeit

Langlebigkeit als gerontologische Ausdruck ist der Name für den immer höher gewordenen Anteil von Menschen, die die frühere durchschnittliche Lebenserwartung von Menschen überschreiten, die unter gesunden Lebensbedingungen leben können. Der demographische Wandel in den Industrieländern ist zum Teil darauf zurückzuführen.

Weblinks

  • Älter werden bei der wdr-Wissenschafts-Reihe Quarks und Co im tv.

Siehe auch