Der Ernährungszustand, abgekürzt mit:E Z, einer Person, ist beobachtbar und messbar. Neben der Nahrung wird er durch wichtige Organfunktionen beeinflusst.

Pflegende beobachten den Ernährungszustand der Patienten/Bewohner. Auffälligkeiten oder Veränderungen sollten spezifische Pflegehandlungen auslösen.

Veränderungen des Ernährungszustands

reduzierter Ernährungszustand

Ein herabgesetzter (reduzierter) Ernährungszustand, auch als Dystrophie bezeichnet, zeigt sich durch ungenügend vorhandenes subkutanes Fettgewebe.

  • Symptome:
    • matt
    • müde
    • leistungsschwach

Kachexie

Von Kachexie (Auszehrung, hochgradige Abmagerung, "Kräfteverfall") spricht man bei völligem Fehlen des subkutanen Fettgewebes.

  • Symptome
    • eingefallene Wangen
    • schlaffe Haut
    • erhöhtes Infektrisiko
    • Eiweißmangelödem (Hungerödem)

Übergewicht

Übergewicht ist definiert als Gewicht mit Body-Mass-Index-Werten zwischen 25 und 30 und für den Patienten unbedenklich.

Adipositas

Adipositas nennt man im Deutschen auch Fettleibigkeit oder Fettsucht, und ist definiert als Gewicht mit Body-Mass-Index-Werten ab 30. Vereinfacht kann man sagen, dass Adipositas häufig durch hormonelle Störungen oder psychische Probleme ausgelöst wird.

  • Symptome:
    • erhöhtes subkutanes Fettgewebe
    • häufig Cellulite und/oder sogenannte Gewebeeinrisse ("Schwangerschaftsstreifen") bei schneller Gewichtszunahme, da sich die Haut in schnellem Tempo dehnen muss
    • bei starker Adipositas Bewegungseinschränkung durch größere Körpermasse
    • ...

Beurteilung des Ernährungszustands

Der Ernährungszustand des Patienten und seine Reaktion auf internistische Maßnahmen bzw. chirurgische Eingriffe sind in vielen Fällen eng korreliert. Deshalb sollte bei allen Patienten, die stationär aufgenommen werden, eine Beurteilung des Ernährungszustands erfolgen. Hierdurch läßt sich feststellen, ob der Patient einer speziellen Ernährung bedarf. Zu den Hinweisen auf ein potentielles Ernährungsdefizit gehören ein Gewichtsverlust von mehr als 5 kg, eine Lymphozytenzahl von weniger als 1500 Zellen/mm³, eine länger als 3 Wochen dauernde Erkrankung oder eine Serumalbuminkonzentration unter 3,5 g/dl. Wenn bei einem Patienten einer dieser Faktoren vorliegt, sollte eine nähere Beurteilung seines Ernährungszustands erwogen werden. Die allgemeine Einschätzung des Patienten durch den Arzt besitzt möglicherweise sogar noch größere Bedeutung. Gewöhnlich besteht eine gute Korrelation zwischen der globalen Einschätzung des Nahrungsbedarfs durch den Arzt und den oben angeführten Parametern.

In der nächsten Phase erfolgt die Beurteilung des Ernährungszustands aufgrund anthropometrischer Daten. Liegt das Verhältnis von Körpergewicht zu Körpergröße, die Hautfaltendicke über dem Trizeps oder der an der Mitte des Oberarms gemessene Muskelumfang unter 85% der Standardwerte, so sollte der Patient noch eingehender untersucht werden. Werte von mehr als 85% der Norm bedeuten im allgemeinen, daß die Ernährungsbilanz des Patienten ausreichend gut ist. Bei diesen Patienten genügt während der stationären Behandlung eine sorgfältige Überwachung und evt. die Erfassung der Stickstoffbilanz.

Umfassendere Beurteilungen des Ernährungszustands beinhalten eine Ermittlung des Kreatinin/Größe-Index (Creatinine height index) (tatsächliche Kreatininkonzentration im 24-Stunden-Urin/optimale Kreatininkonzentration im 24-Stunden-Urin x 100), Hauttests (Candida, Trichophyton, Streptokinase-Streptodornase, Mumps) sowie Bestimmung des Serumtransferrins. Unterschreitet das Kreatinin /Größe- Verhältnis 60%, besteht eine Anergie, und liegt die Serumtransferrinkonzentration unter 150 mg/dl, so deutet dies darauf hin, daß der Patient unter einem schwerwiegenden Ernährungsmangel leidet.

Patienten, bei denen sich gewisse Anhaltspunkte für einen mangelhaften Ernährungszustand ergeben, müssen während des Klinikaufenthalts eingehend überwacht werden. Um festzustellen, ob der Ernährungszustand des Patienten auf gleichem Niveau bleibt oder sich verschlechtert, kann die Stickstoffbilanz ermittelt werden. Unter der Stickstoffbilanz versteht man die Differenz zwischen der aufgenommenen Stickstoffmenge und dem ermittelten Stickstoffverlust, der sich aus dem im 24-Stunden-Urin ausgeschiedenen Harnstoff-N plus der nicht mit dem Urin eliminierten Stickstoffmenge berechnen läßt (gewöhnlich ein Wert von etwa 4 g/24 Stunden).

Wenn eine ergänzende Nahrungszufuhr oder eine ausschließliche künstliche Ernährung erforderlich ist, so sollte der Energieverbrauch des Patienten ermittelt werden. Der Energiebedarf setzt sich zusammen aus einem Basiswert (zur Aufrechterhaltung der basalen Funktionen) und dem zusätzlichen Energieverbrauch, der bei körperlicher Aktivität, bei krankheitsbedingtem Streß, bei Traumen oder Fieber anfällt. Eine Temperatursteigerung um 1° C erhöht den Energieverbrauch unter Ruhebedingungen um 13%. Ein gewöhnlicher Spaziergang erhöht den basalen Energiebedarf um etwa 20%. Während einer Erkrankung steigt der basale Energieverbrauch in Abhängigkeit vom Schweregrad des Leidens unterschiedlich hoch an (Herzinsuffizienz: bis zu 20%, schwere Infektion: bis zu 40%, Verbrennungen mit einer Ausdehnung von 50%: bis zu 100%). Der Grundumsatz, ausgedrückt in kcal/m2 Körperoberfläche/Stunde (GU), kann mit Hilfe folgender Formel geschätzt werden: 37- [(Alter - 20)/10].

Nach Berechnung der für den Patienten erforderlichen Kalorienzahl muß entschieden werden, ob die Kalorienzufuhr über den Magen-Darm-Trakt erfolgen kann oder ob der Patient eine parenterale Ernährung benötigt. Wenn der Gastrointestinaltrakt funktionell intakt ist, sollte der enteralen Ernährung der Vorzug gegeben werden, da die Komplikationsrate und die Kosten wesentlich niedriger liegen als bei parenteraler Ernährung. Um sicherzugehen, daß der Patient genügend Kalorien erhält, ist häufig der Einsatz von Ernährungssonden notwendig.

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