Morbus Crohn, auch Enteritis regionalis Crohn oder auch sklerosierende chronische Enteritis terminalis, ist eine Systemerkrankung des Immunsystems, die sich meist in einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung äussert. Die Erkrankung beginnt meist schleichend und verläuft dann in Schüben . Die Ursache ist noch unklar. In 10-20 % aller Erkrankungen kann nicht unterschieden werden, ob es sich um Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa handelt. Sie tritt oft im jungen Erwachsenenalter auf. Männer sind doppelt so häufig betroffen im Vergleich zu Frauen. Jenseits des 50. Lebensjahres kommt die Erkrankung in der Regel zum Stillstand, sie "brennt aus".

Ursache

Es scheinen mehrere Faktoren an der Krankheitsentstehung beteiligt zu sein. Eine genetische Disposition (Veranlagung), immunologische Regulationsstörungen sowie Defekte im Eigenschutzsystem des Darmes (Darmflora, Barrierefunktion der Mukosa) scheinen dabei eine Rolle zu spielen.

Lokalisation

Datei:Crohn Jejunum.png
von M. Crohn befallener Abschnitt des Jejunum

In etwa dreiviertel der Fälle handelt es sich um abschnittsweisen Befall des Dünndarmes (terminales Ileum) und dem Caecum, oft auch des Colon; seltener ist der gesamte Gastrointestinaltrakt betroffen. Die Entzündungsprozesse und Ulzerationen dehnen sich über alle Wandschichten des erkrankten Darmes aus. Daher kommt es bei nicht granulierenden Ulcera zur Fistelbildung in umliegende Bereiche. Vernarbende Entzündungsstellen wiederum führen zu Strikturen (Lumeneinengung) durch Verdickung der Darmwand.

Einteilung

Laut ECCO (European Crohn's and Colitis Organization) wird die Aktivität der Erkrankung eingeteilt in

  1. leicht: der Patient ist mobil, ist nicht dehydriert, kann Nahrung ohne grössere Beschwerden zu sich nehmen; hat aber Leibschmerzen, mehr als 10% Gewichtsverlust oder einen Ileus.
  2. mittelschwer: häufiges Erbrechen, mehr als 10% Gewichtsverlust, spricht nicht auf die medikamentöse Therapie eines leichten M. Crohn an.
  3. schwer: der Patient ist abgemagert mit einem BMI von weniger als 18; ein Ileus oder Abszess liegt vor, auch bei intensiver Behandlung gehen die Symptome kaum zurück.

Symptome

  • chronische Diarrhoe mit 3 – 6 Durchfällen pro Tag, selten mit Blut- oder Schleimabgang
  • Darmkoliken und unspezifische Bauchschmerzen
  • Appendizitisähnliche Symptome
  • Fieber (nur im akuten Schub)
  • tastbare Resistenzen im Abdomen
  • Fissuren, Fisteln
  • schubweiser Verlauf ohne richtige Ausheilung
  • Gewichtsverlust als Folge einer unzureichenden Nährstoffresorption im Darm und unzureichender Nahrungsaufnahme (aus Angst vor Schmerzen nach dem Essen)
  • körperliche und seelische Erschöpfung
  • Nikotin kann einen Schub auslösen!

Diagnostik

  • Anamnese: Symptombeginn, Stuhlfrequenz, Stuhlbeimengungen, Infektionen, Nikotinabusus, Ernährungsgewohnheiten, Medikamentengebrauch - bes. NSAR, familiäres Vorkommen von Erkr.).
  • körperliche Untersuchung:
    • BMI, Temperatur, Blutdruck, Puls
    • Inspektion des Perineum
    • rektal-digitale Untersuchung auf Fisteln und Abszesse
    • Inspektion von Augen, Haut, Gelenken
  • Laboruntersuchung des Blutes: u.a. großes Blutbild in Hinblick auf eine eventuelle Anämie; Elektolyte, Leberenzyme, Bilirubin, Entzündungsparameter (BSG, Leukozyten)
  • Stuhlkultur und Serologie (Ausschluss infektiöser Ursachen, z.B. Yersinien, Salmonellen)
  • Sonografie Abdomen und Darm
  • Rekto-/Koloskopie mit Biopsie
  • Evtl. Kolonkontrasteinlauf
  • Suche nach weiteren Herden durch Doppelkontrast-Röntgenuntersuchung nach Sellink und Ösophagoduodenoskopie


Komplikationen

Im Intestinalbereich können folgende Komplikationen auftreten:

Komplikationen, die andere Körperregionen betreffen:

  • Entzündungen des Auges
  • Hautentzündungen: Erythema nodosum, Pyoderma gangraenosum
  • Knochenentzündungen (v.a. Gelenkentzündungen, z.B. des Ileosakral-Gelenkes, seltener Polyarthritis)
  • Autoimmunhepatitis

Therapie

Zunächst werden alle konservativen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft:

  • Anpassung der Lebensweise: Für Ruhe sorgen, Stress, Ärger und Hektik vermeiden.
  • Kontaktaufnahme zu einer Selbsthilfegruppe
  • Ernährungsberatung :
    • Individuell schlecht verträgliche Nahrungsmittel müssen weggelassen werden .
    • Milchfreie Kost ist bei Patienten mit Unverträglichkeit von Laktose angezeigt.
  • Im schweren Schub wird parenteral ernährt oder eine Elementardiät (Astronautenkost) verabreicht, die schon im oberen Dünndarm voll resorbiert wird.
  • Medikamentös
    • wird bevorzugt Sulfasalazin (Azulfidine®), ein Sulfonamid angewandt.
    • Alternativ wird immer noch Mesalazin eingesetzt (z.B. Claversal® , Salofalk®), das in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich ist, z.B. auch als Klysma; mittlerweile wird aber die Wirksamkeit unter Experten diskutiert.
    • Auch cortisonhaltiger Rektalschaum (Colifoam®) kann lokal verabreicht werden.
    • Bei hoher Aktivität ist die Gabe von Prednisolon (Decortin H®) wirksam, sowie Methotrexat (Lantarel®, Metex®, MTX Hexal® s.c./i.m.), Infliximab (REMICADE® i.v.) oder Adalimumab (Humira® s.c.).
    • Zusätzlich kann das Immunsuppressivum Azathioprin (Imurek®) eingesetzt werden, wenn Kortikoide allein nicht ausreichen.
    • Antibiotika wie Metronidazol (Clont®) kommen bei Fistelbildung und septischen Komplikationen zum Einsatz.

Bei oben genannten Komplikationen oder Versagen der konservativen Therapie sind chirurgische Eingriffe nicht zu vermeiden, dabei wird eine Darmresektion aber so sparsam wie möglich durchgeführt. Eine Heilung ist bei einer Operation nicht zu erwarten, sie kann nur zur Verbesserung der aktuellen Lebensqualität beitragen und Gefährdungen ausschalten, die durch die Komplikationen entstehen.

  • Häufigstes Operationsverfahren ist die Ileoaszendostomie, bei der das terminale Ileum und das Caecum entfernt werden.
  • Engstellen können mit Strikturoplastiken beseitigt werden.


Wird der Dünndarm durch eine Operation (oder durch mehrere Eingriffe im Laufe der Zeit) erheblich verkürzt, kann es zum Kurzdarm-Syndrom kommen.

Fast alle Patienten müssen irgendwann operiert werden, ausserdem besteht eine hohe Rezidivrate.

Cave

  • Verhütung: Während eines akuten Schubes ist die Wirkung der Anti-Baby-Pille durch Diarrhoe nicht gewährleistet
  • Eine Schwangerschaft sollte - soweit planbar – in einer ruhigen Krankheitsphase angegangen werden.
  • Mit Arzt & Gynäkologin in Verbindung setzen
  • Während der Schwangerschaft die Überwachung sowohl seitens des Internisten als auch von gynäkologischer Seite intensivieren



Verwendete Literatur

  • Nicole Menche et al. (Hrsg.): Pflege heute. 4. Auflage. Elsevier, München, 2007. 1456 Seiten, 2111 farb. Abb., ISBN: 978-3-437-26771-0
  • Jörg Braun, Arno J.Dormann: Klinikleitfaden Innere Medizin, 10. Auflage, Elsevier München 2006, ISBN 3-437-22292-9
  • Daniel C. Baumgart: Übersichtsarbeit Diagnostik und Therapie von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, Deutsches Ärzteblatt Heft 8, Jahrgang 106, DÄ-Verlag Köln 2009

Weblink

Deutsche Morbus Crohn/Colitis Ulcerosa Vereinigung DCCV e.V.

"Eisenmangel ist kein Kavaliersdelikt" Interview mit Chefarzt (Krankenhaus Porz am Rhein) über Mangelerscheinungen bei Morbus Crohn

siehe auch