Alle bisherigen "Pflegetheorien" sind eher konzeptionelle Pflegemodelle,


Problem der Theoriediskussion


Denken/Positionen

Theorien in der Pflegewissenschaft:


Position: normative Theorien

  • Theorien "normieren", möglichst auf der Ebene der Pflegetheorien anzusiedeln (Orem, Peplau, Roy)
  • haben ihren Anfang in den USA (früher Zeitpunkt), stark an Henderson gekoppelt (Metaparadigmen)
  • Ziel: anderes Wissenschaftsverständnis: empirisch rational ausgerichtet, eine Theorie ist nötig, um das Handeln der Pflegepraxis und -wissenschaft anzuleiten (ohne Theorie keine Anleitung)

Diese Theorien sind keine wissenschaftlichen Theorien, sondern konzeptionelle Rahmen; die Theorien wurden nicht entwickelt, um Praxis anzuleiten, sondern um eine Curriculum für die Ausbildung zu haben

  • Diese Theorien tendieren dazu Allaussagen zu machen, die so nicht haltbar sind
  • diese Theorien sind schwer umsetzbar (versucht hat es Georges Evers)
  • kamen einem "Glaubensbekenntnis" gleich : Orem, oder doch Peplau?
  • Man kann nicht monokausale Theorieverodnung betreiben

In spezifischen Situationen kommt man mit diesen Theorien nicht weiter

  • zB ATLs zur Pflege in der Onkologie: keine Aussagen über Fatique, Angst, Schmerz, Selbstbild, Körperbild)
  • z.B. Orem:
    • Selfcare (auf gestörte Funktionen ausgerichtet (Trivialisierung)) trifft in der Regel nich für Krankheitsbewältigungsprozesse zu --- (vgl Selfmanagement: ist etwas anderes, weil es das Leben unter komplexen Krankheitssituationen untersucht/beschreibt)
    • singuläre Ausrichtung: nicht nur bedeutend für den Kranken, sondern auch für Familie/Angehörige.
  • z.B. Leininger:
    • stammt aus der Richtung Kulturrelativismus, der seit 40 Jahren überwunden ist (1940er) = Menschen auf Grund ihrer Herkunft unterscheiden.
    • Stereotypisierung (in einer Gruppe sind viele Subgruppen und Facetten zu entdecken)
    • Gesellschaft, Vulnerabilität wurden nicht mitgedacht
    • In der wissenschaftlichen Diskussion wurde Leinigers Theorie wissenschaftstheoretisch "auseinander genommen"


Man hat dann schnell gemerkt, dass diese Theorien wissenschaftstheoretisch nicht haltbar sind.

Position: "aus der Praxis für die Praxis"

Theorien haben einen Zweck: Theorien können nur aus der Praxis kommen, und dürfen sich auch nur auf die Praxis beziehen (ein Protagonist dieser Position ist Rolfe).

  • "Aktionsforschung" (Praxisdisziplin):
    • Einzelfallverpflichtet (keine universellen Aussagen)
    • nicht erklären wie etwas ist, sondern was wirkt (evidence based nursing)
  • Erfolge: Emanzipationsschub in der Pflege
  • Probleme: die Praxis muss selber Theorien entwickeln ("Wenn man in der Praxis arbeitet (um zu überleben), hat man "keine Zeit" zum "Nachdenken über Theorien"")

Diese Phase wird kontrovers diskutiert, da diese Theorien auch nicht Antworten auf alle Fragen geben können

Position: empirisch fundierte Theoriebildung

(nicht zu verwechseln mit empirischer Forschung! Forschung liefert (lediglich) das Material zur Theorieblidung)

  • "Patientenforschung", der Patient steht wieder im Mittelpunkt (und nicht unbedingt Pflege) (zB Theorien zu chronischer Krankheit)

Nachdem man erkannte, dass die normative Theorien ("Grand Ladies Theorien") zu weit Weg von der Wirklichkeit sind. Theorien müssen ihre Wurzeln in der Praxis haben (Theoriebildung) --> (z.B. Grounded Theory, aber auch quantitative Forschung)


wissenschaftstheoretisches Probleme:

  1. wie bekommt man diese vielen kleinen Theorien auf ein abstraktes Level ?
  2. inwiewiet können diese Theorien handlungsrelevant sein (bis hin zur Interventionsforschung)?

deutsche Pflegewissenschaft

Die Gefahr in der deutschen Pflegewissenschaft liegt im "Empirizismus" und "Interventionismus" (also Forschung), da dezeit niemand aus der pflegewissenschaftlichen Szene Theoriebildung betreibt. Es liegen inzwischen viele empirische Forschungsarbeiten vor. Diese müssten jetzt (endlich) im Sinne der Theoriebildung ausgewertet werden. Dabei muss Theoriebildung Antwort über die Wissenshaft/Disziplin und für die Praxis geben. Eine Pflegetheorie muss also theoretische Antworten geben können, und gleichzeitig auch handlungsrelevant sein.

siehe auch

Literatur