Die Betreuung von Menschen mit Demenz fällt pflegenden Angehörigen und professionell Pflegenden oft sehr schwer. Die Betreuenden sind rund um die Uhr gefordert. Im Laufe der Jahrzehnte wurden verschiedene Umgangskonzepte entwickelt, die Anregungen für die betreuenden Personen enthalten. Manche Konzepte sind nur für den häuslichen / familiären Bereich, manche sind explizit für den Altenheim- / Krankenhausbereich entstanden.

In der "Grundsatzstellungnahme zur Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz in stationären Einrichtungen" des MDS (Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes der Krankenkassen e.V.) von 2009 werden im 8. Kapitel 19 methodische und konzeptionelle Ansätze in der Pflege und Betreuung benannt, die die in der Praxis zur Anwendung kommen und zur Sicherstellung einer bedürfnis- und bedarfsorienten Pflege demenziell erkrankter Menschen beitragen (siehe Literatur).

Realitäts-Orientierungs-Training

Als erstes Konzept ist das ROT (Realitäts-Orientierungs-Training) entstanden ,das vor allem wegen seines sehr korrigierenden Ansatzes kritisiert wird.

Validation

Das momentan bekannteste Konzept zum Umgang mit Menschen mit Demenz ist die Validation nach Naomi Feil, bzw. in seiner Abwandlung als Integrative Validation nach Nicole Richard, die besonders auf das Erkennen und "Wert-schätzen" der Gefühle des betroffenen Menschen wertlegen.

Psychobiografisches Pflegemodell

Stark an der Persönlichkeit und der Vergangenheit jedes einzelnen Betroffenen orientiert sich auch das psychobiografische Pflegemodell nach Erwin Böhm.

Personenzentrierter Ansatz

Das DCM wurde in England an der Universität Bradford von Tom Kitwood und Mitarbeitern entwickelt. Die Grundlage des DCM ist die Werteorientierung der "personenzentrierten Pflege" oder "Positiven Personenarbeit" nach Tom Kitwood.

Selbsterhaltungstherapie

Romero entwickelte die Selbst-Erhaltungs-Therapie die gezielt therapeutisch arbeitend das Selbst des dementen Menschen stärken und ihn so seine noch vorhandenen Ressourcen voll ausschöpfen lassen will.

Milieutherapie

Milieutherapie ist ein Begriff aus der Psychiatrie und Sozialpsychologie, geht auf den Psychiater und Psychoanalytiker Wilfred Bion zurück und meint: gemeinsamer therapeutischer Prozess im Rahmen einer temporären Lebensgemeinschaft. Milieutherapie" gestaltet die Institution als eine sogenannt künstliche Familie und nutzt diese auch therapeutisch. Je nach Patient wird das Milieu eher strukturierend, ausgleichend, animierend, reflektierend oder betreuend gestaltet. Eine typische Organisationsform in einer Suchtklinik ist: ein Sozialarbeiter als Leiter des Teams, zwei weitere Sozialarbeiter, ein Psychologe, ein Arzt, ein Lehrer, ein Koch und ein für das Haus Verantwortlicher. Gemeinsam mit den Bewohnern bilden sie einen Rahmen mit schützenden Grenzen: Hausregeln der Gruppen, ein strukturierter Tages- und Wochenablauf, die Teilnahme an bestimmten Gruppenaktivitäten und die Übernahme von häuslichen Diensten. Betreuer und Bewohner sind gleichermaßen eingebunden.

Therapeutisches Milieu

Das "therapeutische Milieu" wurde von Fritz Redl im klinisch-psychiatrischen Bereich entwickelt und 1953 in der Kinderstation in einem großen psychiatrischen Krankenhaus in Bethesda umgesetzt. Grundlage war Redels "pädagogisch-therapeutisches Konzept", das er 1946 im "Pioneer House", einem kleinen Erziehungsheim in einem Elendsviertel von Detroit, einführte.

Basale Stimulation und Musiktherapie

Besonders bei weiter fortgeschrittener Erkrankung bieten sich auch die Basale Stimulation und Musiktherapie an, die auch den bereits oft bettlägrigen und / oder kaum noch an der Außenwelt interessierten Menschen erreichen können. Snoezeln galt früher auch als Umgangskonzept, doch hat sich erwiesen, dass dementen Menschen im allgemeinen sich nicht mehr auf die Methoden einlassen können, sie also ablehnen.

Der therapeutische Tischbesuch (TTB)

Der therapeutische Tischbesuch (TTB) ist eine Methode zur wertschätzenden Kurzzeitaktivierung von Hochbetagten und Menschen mit Demenz, die 1990 von Bernd Kiefer entwickelt und in den letzten Jahren zusammen mit Bettina Rudert ständig weiterentwickelt wurde. Unter TTB versteht man das systematische und zeitlich kurz begrenzte Aufsuchen der pflegebedürftigen Menschen an ihrem Sitzplatz unter Einbeziehung kommunikationsanregender Medien. Obwohl sich die therapeutische Zuwendung des TTB teilweise nur auf ein bis zwei Minuten beschränkt, führt sie zu einer deutlichen Steigerung der Lebensqualität und Kommunikationsfähigkeit, bei einer gleichzeitigen Minderung von Unruhe und Regression.

Zehn-Minuten-Aktivierung

Die Methode der Zehn-Minuten-Aktivierung wurde Anfang der 90er Jahre von Ute Schmidt-Hackenberg entwickelt. Die "zehn Minuten" stellen ein Zeitmaß dar, das den begrenzten Konzentrationsspielraum von Menschen mit Demenz berücksichtigt.

Siehe auch

Literatur

  • Corry Bosch (1996): "Vertrautheit - Studie zur Lebenswelt dementierender alter Menschen", Ullstein Medical, ISBN 3861266466
  • Berghoff, Ingrid(1999): Förderpflege mit Dementen; Das Selbst-Erhaltungs-Therapie-Konzept (SET), ISBN 3-86126-668-7
  • MDS, Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes der Krankenkassen e.V., (Hrsg., 2009): "Grundsatzstellungnahme. Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz in stationären Einrichtungen." MDS, Essen, erhältlich unter und über die Homepage des MDS
  • Georg Neumann: "Rettung aus Polen. Wie Pflege zu Hause tatsächlich gelingt", Kreuz-Verlag, Freiburg, 2010, ISBN 978-3-7831-3402-5 (Erfahrungen mit demenzkranker Mutter und Ratgeber)

Weblinks