Die Entwicklung des Menschen aus einer einzigen befruchteten Zelle ist ein komplizierter Vorgang, der nicht mit der Geburt sondern eigentlich erst mit dem Tod abgeschlossen ist. Sie dauert von der Befruchtung bis zu Einnistung der befruchteten Eizelle (10. Tag). Anmerkung: die 8. Woche nach der Befruchtung entspricht rechnerisch der 10. Schwangerschaftswoche (SSW), da die Wochen nach der letzten Regelblutung gezählt werden. Das Fetalstadium dauert von der 11. SSW bis zur Geburt. In dieser Phase nimmt das Ungeborene erheblich an Gewicht zu und erlangt die Geburtsreife.

Von der Befruchtung bis zur Einnistung

Die Befruchtung

Etwa alle 4 Wochen findet bei der geschlechtsreifen Frau der Eisprung statt, bei dem eine reife Eizelle vom Eierstock in den Eileiter gelangt. Trifft die Eizelle bei ihrer Wanderung zur Gebärmutter auf befruchtungsfähige Spermien, die nach dem Samenerguss des Mannes von der Scheide bis in den Eileiter hinaufwandern, kann es zur Verschmelzung beider Keimzellen und damit zur Befruchtung kommen. Nur eine einziges Spermium nämlich das Erste kann in die Eizelle eindringen. In der Eizelle bleibt der Spermienkopf in der Nähe des Weiblichen Kernes liegen; der Schwanz wird abgestoßen. Nun verschmelzen die Zellkerne der Eizelle und des Spermiums miteinander, und eine neue Zelle, die Zygote, entsteht. Diese enthält wie jede normale Körperzelle alle 23 Chromosomen in doppelter (diploider) Ausführung: je 23 vom Vater (bzw. dem Spermium) und 23 von der Mutter (bzw. der Eizelle)

Die ersten Zellteilungen (Furchungen)

Wenige Stunden später beginnen die ersten Zellteilungen , die Furchungsteilungen. Aus der Zygote werden zunächst 2 Zellen, dann 4, dann 8, 16usw., bis sich eine Zellkugel bildet, die Mikroskopisch gesehen einer Beere ähnelt und deshalb Morula heißt. Die Morula wandert durch den Eileiter und erreicht nach 3 – 4 Tagen die Gebärmutter. Bis zu diesem Zeitpunkt hat sie sich in einen hohlen Zellball verwandelt, die Blastozyste (Keimblase). Die Aushöhlung heißt Blastozystenhöhle. Die Blastozyste hat eine Verdickung , die die eigentliche Fruchtanlage enthält und Embryoplast genannt wird. Die Zellwand der umgebenden Blase. Der Trophoblast, dient nach der Einnistung zusammen mit mütterlichen Gewebe der Ernährung des Embryos. Kurz darauf bildet sich zwischen Embryoblast und Trophoblast ein weiterer Hohlraum, die Amnionhöhle, die sich später mit Fruchtwasser füllt und dadurch zur Fruchtblase wird.

Die Einnistung (Nidation)

Am 5. – 6. Tag nach der Befruchtung lagert sich die Blastozyste an die Gebärmutterschleimhaut an. Zu diesem Zeitpunkt produzieren die Throphoblastzellen Enzyme, die es ihnen ermöglichen, in die Schleimhaut „einzudringen“ .Außerdem wird nun vom Trophoblasten das Schwangerschaftshormon humanes Choriongonadotropin (HCG) gebildet, das in den ersten Wochen der Schwangerschaft notwendig ist, um die Funktion des Gelbkörpers aufrechtzuerhalten. Ansonsten würde das Endometrium abgestoßen, ein Frühabort (frühe Fehlgeburt) wäre die Folge. Der Nachweiß von HCG wird als Schwangerschaftstest eingesetzt.

Die Entwicklung des Embryos

Die 3 Keimblätter

Etwa 8 – 10 tage nach der Befruchtung differenziert sich der Embryoblast in 3 verschiedene Schichten, die Keimblätter: Aus der äußeren Schicht (Ektoderm) entwickelt sich das Nervensystem, die Sinnesorgane und die Haut Aus der mittleren Schicht (Mesoderm) bilden sich das Herz, die Muskeln, das Binde- und Stützgewebe, die Geschlechtsorgane, die Blutkörperchen, die Nieren, lymphatische Organe und die Unterhaut Aus der inneren Schicht (Entoderm) entstehen die Epithelien der Atmungs- und Verdauungsorgane, die ableitenden Harmwege sowie Schilddrüse, Leber und Pankreas

Die Ernährung des Embryos

Der Trophoblast

Das Trophoblast ist die äußere Zellschicht einer Blastozyste und verbindet diese mit der Uteruswand. Es bildet sich am 5. bis 12. Tag nach der Befruchtung aus Blastomere, weicht mittels Enzymen die Gebärmutterschleimhaut auf und kann sich so an ihr festsetzen. Das Trophoblast dient dem Embryo als Nährkanal und kann damit als Ernährungsorgan betrachtet werden. Aus dem Trophoblast entwickeln sich ein Teil der Fruchthülle sowie der embryonale Teil der Plazenta

Die Plazentaentwicklung

im Synzytiotrophoblast entsteht ein ausgedehntes Lakunennetz, das mit mütterlichem Blut und Sekreten aus den Uterusdrüsen gefüllt ist und der Versorgung des Embryos dient. Aus dem Zytotrophoplasten wachsen ab dem 13. Tag zottenförmige Fortsätze in den Synzytiotrophoblasten hinein. Der Trophoblast wird zum Chorion (Zottenhaut), das den Keim vollkommen umgibt. Wegen der besseren Ernährungsbedingungen auf der dem Endometrium zugewandten Seite wachsen die Chorionzotten auf dieser Seite weiter, während sich die Zotten auf der Seite der Uterushöhle zurückbilden und ein Zottenloses Chorion zurückbleibt. Dadurch teilt sich das Chorion in eine Zottenreiche Chorionplatte und eine Zottenlose Chorionhaut an der gegenüberliegenden Seite. Die Chorionplatte mit den Zottenbäumchen stellt den kindliche Teil der Plazenta (Mutterkuchen) dar, wobei jede Zotte kindliche Kapillargefäße enthält. Die Plazenta ermöglicht den Stoffaustausch zwischen kindlichem und mütterlichem Organismus.

Die Blutversorgung des Kindes

Das für die Versorgung des Embryos benötigte Blut der Mutter kommt aus den spiralförmigen Arterien der Gebärmutter, fließt in die Zwischenzottenträume und umspült so die Zotten. Das Sauerstoffarme kindliche Blut wird vom embryonalen bzw. fetalen Herzen über 2 Nabelarterien in die Blutgefäße der Zottenbäumchen gepumpt. Hier findet der Sauerstoff- Kohlendioxidaustausch statt, und das Frische Blut fließt dann zurück zum Fetus

Die reife Plazenta

Zum Zeitpunkt der Geburt ist die Plazenta ein scheibenförmiges Organ von ca. 18 cm Durchmesser, 2 cm dicke und etwa 500g Gewicht. Sie wird nach der Geburt des Kindes als Nachgeburt ausgestoßen

Die Nabelschnur

Im Chorion entstehen Gefäße; einige von ihnen sprießen in die Chorionzotten ein, andere ziehen über den Haftstiel zum sich entwickelnden Embryo, wo sie sich mit den vom Embryo gebildeten Gefäßanlagen vereinigen. Diese Gefäße dienen den Transport von Blutgasen und Nährstoffen von der Mutter zum Kind und wieder zurück. Der Haftstiel verlängert sich im Verlauf der Schwangerschaft, windet sich stark und wird zur Nabelschnur, die das Kind mit der Plazenta verbindet. sie enthält 2 Arterien, in denen Blut vom Kind zur Plazenta fließt, und eine Vene, die Blut von der Plazenta zum Kind leitet.

Die Entwicklung des Fetus

Die Leistung der fetalen Organe

Etwa in der 11. SSW sind alle Organsysteme angelegt. Ab der 11 SSW wird der Embryo Fetus (Fötus) genannt. In der Fetalperiode nehmen Länge und Gewicht der Leibesfrucht schnell zu, die Organe reifen aus und beginnen, ihre Funktion aufzunehmen.

Der fetale Blutkreislauf

Weil die Aufgaben der Lungen und teilweise auch der Leber bis zur Geburt von der Plazenta wahrgenommen werden, muss der Blutkreislauf des Fetus anders als der des Neugeborenen Kindes gestaltet sein: Das Sauerstoffreiche Blut des Feten, das über die Nabelvene aus der Plazenta kommt, fließt zum größten Teil unter Umgehung der Leber über den Ductus venosus Arantii direkt in die untere Hohlvene und von dort in den rechten Vorhof

In der Vorhofscheidewand befindet sich beim Fetus ein ovales Loch (Foramen ovale) das relativ sauerstoffreiche Blut aus der unteren Hohlvene fließt überwiegend durch das foramen ovale vom rechten in den linken Vorhof und damit wieder in den Körperkreislauf und gibt es dort als erstes an die Kopfarterien ab (Gehirnversorgung!).Dieser Kurzschluss ist sinnvoll, weil die Lunge des Fetus ihre eigentliche Funktion, den Gasaustausch, noch gar nicht aufnehmen kann. Die Lungenpassage wäre nur ein Umweg . das sauerstoffarme Blut aus der oberen Hohlvene hingegen gelangt vorwiegend in die rechte Kammer und den Truncus Pulmonalis

Das Blut, das über die rechte Herzkammer in den Truncus pulmonalis gelangt, fließt bis auf einen kleinen Anteil über einen weiteren Kurzschluss wieder in den Körperkreislauf zurück. Dieser 2. Kurzschluss zwischen Truncus pulmonalis und Aorta wird Ductus arteriosus Botalli genannt

Am Ende der Arteria iliacae communes zweigen 2 kräftige Arterien ab, die als Nabelarterien mit verbrauchtem Blut die Plazenta erreichen, das dort mit frischem Sauerstoff und Nährstoffen angereichert wird

Entwicklungsstörungen

Vor der Geburt ist der Organismus auf Grund der Zahlreichen Differenzierungs- und Wachstumsprozesse am störanfälligsten. Es gibt viele verschiedene Ursachen für Fehlbildungen oder andere Störungen, etwa genetische Faktoren, Medikamente, Röntgenstrahlung, Infektionen sowie Alkohol und Nikotin Neben der Ursache ist für die Ausprägung der Störung der Zeitpunkt der Schädigung entscheidend: Bei Schädigungen vor und während der Befruchtung nennt man Gametopathien, bei solchen bis zum 18. Lebenstag nach der Befruchtung von Blastopathien. Beide führen meist zum Keimtod Embryopathien (Schädigungen bis zur 10. SSW) zeigen sich meist durch gröbere Organfehlbildungen Fetopathien ab der 11. SSW haben vor allem Ausreifungsstörungen mit funktionellen Defekten zur Folge

Die Schwangerschaft

Die Schwangerschaft dauert ca. 38 Wochen, gerechnet ab dem Tag der Befruchtung (post conceptio) bzw. 40 Wochen ab dem ersten Tag der letzten Regelblutung (post menstruationem). Die letzte Zählweise ist die übliche und auf sie bezieht sich auch die Angabe der SSW, da der Zeitpunkt der Befruchtung in aller Regel unbekannt ist. Die Schwangerschaft wird in 3 Abschnitte zu je drei Monaten bzw. 13 SSW aufgeteilt:

  • Die ersten 3 Monate (=Trimenon) der Frühschwangerschaft
  • Vom 4. – 6. Monat das vergleichsweise „stabile“ zweite Trimenon
  • Die Spätschwangerschaft (= letztes Trimenon) vom 7. Monat bis zur Geburt.

Das letztes Trimenon kann je nach Verlauf auch kürzer oder länger dauern.

Zur medizinischen Schwangerschaftsüberwachung werden in regelmäßigen Abständen Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt. Sie sollen mögliche Gefahren für Mutter und Kind frühzeitig feststellen, um rechtzeitig handeln zu können

Das erste Trimenon

Schon die Frühschwangerschaft führt zu zahlreichen Veränderungen im Körper der Frau. In Folge von Hormonausschüttung kann es zu Müdigkeit, Übelkeit sowie zu Depressionen kommen. Erbrechen führt nicht selten zu anfänglichem Gewichtsverlust

Das zweite Trimenon

In den folgenden Monaten geht es der Schwangeren immer besser. Die körperlichen Veränderungen sind jetzt auch äußerlich sichtbar: die Brüste werden voller, der Bauch wächst Der Kreislauf muss mehr Blut pumpen , das Herz vergrößert sich, um die erhöhte Pumpleistung aufzubringen Der verminderte Muskeltonus macht die Schwangere anfällig für: Krampfadern, Harnwegsinfekte, Verstopfung und Sodbrennen Eine Gewichtszunahme von 1,5 Kg/Monat ist normal, wobei die Gesamtgewichtszunahme am Ende der Schwangerschaft 8 – 12,5 KG beträgt.

Das dritte Trimenon

Die letzten Monate der Schwangerschaft erleben die meisten Frauen auf Grund des erhöhten Leibesumfanges als anstrengend und mühsam. Der Gesetzgeben lässt deshalb den Mutterschutz 6 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin beginnen. Während des Mutterschutzes ist die Schwangere unter Bezahlung vollkommen von der Erwerbstätigkeit befreit.

Geburt und Wochenbett

Siehe die Artikel Geburt, Geburtskomplikationen, Wochenbett

Das Wochenbett

Unterstützt durch weitere, oft schmerzhafte Nachwehen bildet sich die Gebärmutter nach der Geburt rasch zurück. Durch den Gewebsabbau entsteht der Wochenfluss (Lochien), zunächst blutig, dann zunehmend blassfarbenere Sekrete, die nach ca. 4 – 6 Wochen versiegen. Der Wochenfluss ist durch Aufsteigen von Bakterien aus der Vulva stark keimhaltig und darf wegen der Gefahr einer Brustdrüsenentzündung keinesfalls mit den Brüsten in Berührung kommen.

Milcheinschuss und Stillen

Während der Schwangerschaft nimmt das Brustdrüsengewebe und damit die Brust an Größe zu, ohne dass eine nennenswerte Milchabsonderung stattfindet. Nach der Geburt sinken die sehr hohen Progesteron- und Östrogenspiegel im mütterlichen Blut schnell wieder ab, da mit der abgestoßenen Plazenta ein wichtiger Hormonbilder fehlt

Nach 3 Tagen entfaltet sich die Wirkung des Hormons Prolaktin für die Bildung der Muttermilch. Die Ernährung durch die Brust, das Stillen, ist nur in Verbindung von Prolaktin und Oxytocin möglich. Während Prolaktin die Milch produziert ist Oxytocin für die Milchentleerung zuständig.

Siehe auch

Weblinks


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