Als Thrombose oder Thrombosis bezeichnet man den Verschluß eines Blutgefäßes durch ein Gerinnsel bzw. einen Thrombus. Grobklinisch wird zwischen arterieller oder venöser Thrombose unterschieden. Ein klassisches Beispiel ist die tiefe Beinvenenthrombose: ihre gefürchteste Komplikation ist die Lungenembolie. Ein Thrombus kann ein Blutgefäß teilweise oder ganz verschliessen. Dieser Zustand führt zur Unterversorgung bzw. zum Versorgungsausfall des zu versorgenden Gewebes (Infarkt).

Die Virchow-Trias

beschreibt die Risikofaktoren für das Enstehen einer Thrombose. Das sind:

  1. Verlangsamter Blutstrom durch Bettruhe,Lähmung, ruhigstellende Lagerungen, Schonhaltung (typisch bei Schmerzen), Flüssigkeitsmangel und intravasaler Flüssigkeitsverlust, Veränderungen der Blutzusammensetzung z.B. Polyglobulie als Folge von Sauerstoffmangel-Zuständen, Herzinsuffizenz und chronisch venöse Insuffizenz.
  2. Gefäßwandschäden Schädigung der Gefäßinnenwand (Intima) durch Verletzungen, Quetschung, Operation,(Varizen) und Phlebitis.
  3. Erhöhte Gerinnungsneigung bei Vermehrung der Gerinnungsfaktoren beispielsweise nach großen Operationen (Verbrauchskoagulopathie),Verbrennungen. Auch muss in diesem Zusammenhang an die eventuell erfolgte Einnahme von Ovulationshemmern und Kortison gedacht werden.

Bausteine der Thromboseprophylaxe

Die sechs Bausteine der Thromboseprophylaxe sind:

  1. Frühmobilisierung
  2. Lagerung
  3. Rückstromfördernde Gymnastik: Anspannen und Entspannen der Unterschenkelmuskulatur.
  4. Venenkompressionsverband|Venenkompression
  5. Heparinisierung
  6. Das Ausstreichen der Venen ist heute umstritten. Dabei wird von der These ausgegangen, dass tiefe Venen durch dieser Maßnahme nicht erreicht werden.

Entstauende Lagerung

Lagerung

  • Beine hochlagern Schaumstoffkissen
  • Fußteile des Bettes erhöhen
  • Beine nicht überkreuzen
  • keine Abknickungen in Knie- und Hüftgelenk
  • Wechselbäder
  • ausgeglichene Ernährung
  • OP-Patienten früh mobilisieren

venöser Rückstrom

Bewegungsübungen / Gymnastik

  • aktiv:
    • Füße kreisen
    • Füße heben und senken, Knie anziehen und strecken
    • Beine aufstellen und strecken
  • passiv:
    • Druck gegen die Fußsohle (spannt die Wadenmuskulatur) durch eine bewegliche Fußstütze oder eine Bettkiste (wegen des Risikos eines Dekubitus unter den Fußsohlen jedoch nicht oder nur kurzfristig zu verwenden bei fehlender Möglichkeit, selbständig auch eine Druckentlastung durchzuführen (Lähmungen, Schwäche) oder bei Sensibilitätsstörungen)
  • Gefäßwandstützende Maßnahmen
    • Beine wickeln mit ca. 10 cm breiten elastischen Binden
    • Tragen von Stützstrümpfen nach Maß
  • Blutzirkulation aktivieren durch Atemübungen

Frühmobilisation

Durch z.B. langes Sitzen oder Liegen werden die Venen abgeklemmt oder die Muskelspannung der Beinmuskulatur fehlt, sie ist wichtig für den Blutrückfluss zum Herzen. Bei Bewegung wird das Herz angeregt schneller zu schlagen, dadurch erhöht sich die Geschwindigkeit der Blutzirkulation, Blut fließt schneller durch die Arterien und wird schneller durch die Venen gepumpt. Fördert die Durchblutung der Gefäße

Vorgehensweise

  • Patient auf die Notwendigkeit der Bewegung hinweisen, motivieren und ermutigen aufzustehen und sich zu bewegen
  • Bei verordneter Bettruhe, Rückstrom fördernde Gymnastik anbieten z.B. Beine anwinkeln und Strecken, Füße kreisen lassen, Zehen krallen und entspannen


Medikamentöse Prävention

Im Grunde geht es darum, die Gerinnungsneigung des Blutes durch die Gabe von Antikoagulantien herabzusetzen. Das kann durch die Einnahme von diesbezüglichen Medikamenten, oder auf parenteralem Wege erfolgen. Sofern keine Kontraindikationen bestehen, erhalten Patienten auf Intensivstationen/Intermediate Care, Stationen, neben den pflegerischen Maßnahmen der Thromboseprophylaxe, eine Low-dose Heparinisierung.

Heparine sind körpereigene Wirkstoffe, die das Thrombin binden und die Umwandlung von Fibrinogen in Fibrin verhindern. Sie werden parenteral also durch Injektion oder über einen Perfusor appliziert (Applikation). Die Wirkung tritt fast umgehend ein. Das Gegenmittel von Heparin ist Protaminsulfat.

Kumarine vermeiden die Prothrombinbildung. Sie werden oral eingenommen und erreichen ihre Wirkung erst nach 2-3 Tagen. Durch regelmäßige Quickwertkontrollen muß die richtige Dosierung bestimmt werden. In diesem Falle ist das Gegenmittel Vitamin K.

Beachte: Patienten, die gerinnungshemmende Arzneimittel bekommen, dürfen keine intramuskulären Injektionen erhalten. Dieses Verbot sollte deutlich in der Pflegedokumentation und in der Patientenakte vermerkt werden.

Neben der dosis- und zeitgerechten Applikation der verordneten Arzneimittel ist auf eventuelle Nebenwirkungen der Antikoagulantien zu achten. Das können sein: Hämatome, erhöhte Blutungsneigung von Operationswunden, Hämaturie (Blut im Urin) und Teerstuhl. Bei älteren Patienten ist auch die Vigilanz regelmäßig zu überprüfen, da eine cerebrale (Cerebrum = Gehirn) Blutung nicht immer ausgeschlossen werden kann.

Zur Frage der Wirkung bestimmter Nahrungsmittel auf die Gerinnung unter dem Einsatz von Gerinnungshemmern, ist man heute (2010) der Meinung, dass es keine Einschränkungen gäbe. „(…) empfehlenswert ist vielmehr eine Dosisanpassung der Tabletten an die Ernährungsgewohnheiten. [1]

Die Überwachung der Patienten bezieht die Realisierung nötiger Blutuntersuchungen durch den Pflegedienst mit ein. Die hierfür erforderliche Blutentnahme kann, auf der Grundlage einer ärztlichen Anordnung, durch Fachpflegekräfte erfolgen (in der Intensivtherapie/Intensivpflege ist dieses Vorgehen obligatorisch).

Auf der Station eingehende Befunde sollten von der für den Patienten zuständigen Pflegekraft "grobklinisch" interpretiert werden können. Dieses Vorgehen gehört zur Ganzheitlichkeit von Medizin und Pflege und ermöglicht eine schnelle Reaktion auf eventuelle Abweichungen innerhalb vorgegebener Vertrauensbereiche (diese legt der Arzt fest). Dieses Vorgehen kann durchaus dem Bereich der prophylaktischen Pflege zugeordnet werden.

Flüssigkeitszufuhr

Durch zu wenig Flüssigkeit im Körper verdickt das Blut

Vorgehensweise:

  • Patient auf die Notwendigkeit des Trinkens hinweisen (2 l. am Tag)
  • kontinuierlich Trinken anbieten und ermöglichen
  • vorzugsweise Wasser, Früchtetee oder Saftschorle
  • Kein Kaffee, Schwarztee oder Alkohol

Kompressionsbehandlung

  • anlegen von Medizinischen Thrombosephrophylaxestrümpfen (MTS), Kompressionstrümpfen (ATS) oder Kompressionsverbandes
  • durch die Kompression wird das Gewebe zusammengehalten und gestützt, die Venen verengen sich gleichmäßig wodurch ein besserer Blutfluß gewährleistet wird.

Vorgehensweise Strümpfe:

  • Strümpfe müssen an den Patienten angepasst werden, geschieht durch vorheriges abmessen.
  • vor dem Anlegen sollen die Beine 20-30 Minuten hochgelagert werden, damit sie entstaut sind und ein gleichmäßiger Venenquerschnitt vorhanden ist.
  • tägliche Hautbeobachtung und Pflege des Beines
  • alle 2 bis 3 Tage oder bei Verschmutzung sollen die Strümpfe gewechselt werden

Ausstreichen der Beine

Der Blutrückstrom wird unterstützt, durch aufwärts streichende Bewegungen

Vorgehensweise Bein anheben, vom Fußknöchel mit leichten Druck in Richtung Knie ausstreichen, gleichzeitig kann durch den Einsatz einer Hautlotion die Hautpflege erfolgen.

siehe auch

Kontraindikationen

-Herzinsuffizienz

Quellen


Literatur

  • Hartwanger, Annette (2005): "Verschlusssache", in: Altenpflege (Zeitschrift) 12-2005, S.31-34
  • Pflege heute (Buch)
  • Lernprogramm Thromboseprophylaxe 1.0, 1 CD-ROM Zur gezielten Prävention in der Pflege. Für Windows ME/2000/XP/Vista. [1]